Vom Schlüssel- Erlebnis zum globalen Player

Via App das Auto aufsperren: Bei vielen Carsharing-Anbietern ist das Realität.

Auf und zu. Tapkey, ein junges Wiener Tech-Start-up, will mit Software für elektronische Zutrittssysteme an die Weltspitze.

Text: wolfgang knabl

Gregor Zehetner und Markus Minichmayr sind Freunde aus der Schulzeit. Zehetner war bereits bei Unternehmen wie Fabasoft und WDW eLab da- mit betraut, innovative Lösungen mit mobilen Apps aufzubauen. Minich- mayr ist Inhaber mehrerer Patente. Bei der Wiener Softwareschmiede Phactum arbeiteten die beiden zusammen – und hatten ein Aha-Erlebnis: Ein deutsches Partner-Unternehmen schickte regelmäßig über 20  IT-Ex- perten, die für ein bis zwei Tage pro Woche Zugang zu den Arbeitsräumen brauchten. „Das Schlüssel-Management war jedes Mal ein Wahnsinn. Noch dazu waren immer wieder Schlüssel nicht auffindbar“, erzählt Zehet- ner. 2012 starteten er und Minichmayr gemeinsam mit einem weiteren langjährigen Kollegen, Jochen Schurich, für Phactum das Projekt „Tap- key“: Die Entwicklung eines flexiblen, smarten Zugangssystems ohne physische Schlüssel. Das Ziel war von Anfang an klar definiert: Ein Soft- ware-Produkt zu entwickeln, das einen bestimmten Zweck erfüllt – und das man als offene Plattform global skalieren kann.


Auf nach Silicon Valley

2013 flog das Projektteam im Rahmen des Wirtschaftskammer-Pro- gramms „GoSiliconValley“ für drei Monate ins Hightech-Mekka der USA. Dort starteten gerade einige Smart-Lock-Hersteller, etwa August, durch. „Wir haben schnell gemerkt: Das Thema ist heiß!“, erzählt Minichmayr. Noch während des USA-Aufenthalts sollte möglichst schnell ein Tapkey- Brand geschaffen werden. „Der Firmenname war weltweit ziemlich jung- fräulich, nur ein indischer DJ hieß noch Tapkey.“ Allerdings hatte sich ein Amerikaner zuvor die tapkey.com gesichert. Ein Dreivierteljahr lang dauer- te es, bis der von Tapkey engagierte Domain-Broker die Domain erstehen konnte.


Für den nächsten Wachstumsschub brauchte das Team neben einer Mar- kenidentität auch eigene Investments sowie eine Geschäftsführung, die unabhängig handeln kann. 2014 erfolgte die Gründung der Tapkey GmbH – zusammen mit Gilbert Hödl und Jochen Schurich. Entrepreneur Hödl brachte Expertise zu Gründung und Verkauf von Unternehmen ein, hatte zuvor mit Lixto, das von McKinsey & Company akquiriert wurde, und Up- date Software, das im Jahr 2000 an die Börse ging, zwei erfolgreiche Un- ternehmen gegründet. Jochen Schurichs Stärke ist die Entwicklung und Umsetzung innovativer Technologielösungen. Zu seinen Projekten gehö- ren die Telekom-App für den Lebensmittelkonzern Aldi (Aldi Talk) und die E-Commerce-Management-Plattform Norman.


„Es war toll, mit der Unternehmensgründung unser Baby zu einer juristi- schen Person zu machen“, erinnert sich Gregor Zehetner. „Die Euphorie war groß, das Motto lautete: Volle Kraft voraus.“ Der Schritt in die Selbst- ständigkeit war freilich nicht der einfache Weg. „Es hätte bequemere Per- spektiven gegeben. Und kurzfristig sicher weniger Arbeit – und mehr Geld“, weiß Zehetner. „Aber wir wollten etwas Eigenes schaffen, ins Risiko gehen und bei Erfolg etwas Besonderes erreichen.“ Bereits im Gründungs- jahr wurden erste Show Cases umgesetzt, etwa am A1 Startup Campus. Weil es nach wie vor gute Synergien gab, blieb Tapkey am Phactum- Standort, stockte aber das Personal auf.


Erste Hürden

Die Tapkey-Zielgruppe sind nicht die Endkunden, sondern Partner, welche die Tapkey-Plattform in ihre Produkte integrieren und vermarkten: Schloss-Hersteller, zum Beispiel. „Diese Unternehmen haben oft ein Grün- dungsjahr im 19. Jahrhundert und sind nicht von heute auf morgen zu überzeugen, auf die Technologie eines jungen Start-ups zu setzen“, er- zählt Gregor Zehetner. Im Nachhinein seien die langen Sales Cycles nach- vollziehbar, schließlich sind derartige Kooperationen schwerwiegende strategische Entscheidungen. „Zu Beginn hatten wir das unterschätzt.“ Gezweifelt habe das Tapkey-Team in dieser „zähen“ Phase nicht. „Wir ha- ben aus diesen Kundengesprächen gelernt und unser Angebot adaptiert.“ Ein entscheidender Faktor sei gewesen, potenzielle Partner davon zu überzeugen, ihre Kompetenzen mit dem jungen IT-Unternehmen zu bün- deln, anstatt eigene Smart-Access-Insellösungen zu entwickeln.


Eine zentrale Frage bei jeder Verhandlung: Ist eure Plattform sicher? Witte Automotive, ein Unternehmen für Schließ-, Griff- und Scharniersysteme bei Autotüren, beauftragte den auf Zugangs- und Transponder-Technolo- gie spezialisierten White-Hat-Hacker Timo Kasper, das Tapkey-Security- Konzept genauer unter die Lupe zu nehmen. Tapkey bestand die Sicher- heitsprüfung. Witte investierte einen siebenstelligen Betrag in Tapkey und stieg als strategischer Partner mit zwanzigprozentiger Beteiligung ein. Ein weiterer namhafter Partner ist DOM, ein in über 30 Ländern ver- tretener Hersteller innovativer Schließtechnik.


Inzwischen findet sich Tapkey-Software in Carsharing-Autos, Shared Of- fices, Firmengebäuden, Wohnanlagen, am Vorhängeschloss von Ersatz- teillagern in entlegener Wildnis – und vielleicht bald auch in den Smart- phones der Mitarbeiter eines namhaften Zustellunternehmens. „Derzeit haben die noch so einen Schlüsselbund, wenn sie in der Nacht Firmenla- ger beliefern“, sagt Gregor Zehetner und malt einen handtellergroßen Kreis in die Luft. „Mit unserer Smart-Access-Lösung kommt der Zusteller schnell in alle für ihn freigeschalteten Bereiche der Empfänger – und kann keinen Schlüssel verlieren.“


Der richtige Boost

2018 übersiedelte Tapkey in ein eigenes Büro am Schwarzenbergplatz. 13 Mitarbeiter programmieren neue Lösungen – oder sind im Austausch mit Schloss-Herstellern, Carsharing-Plattformen und Anbietern von neuarti- gen Coworking- oder Gebäudeverwaltungslösungen in Europa, Asien und den USA. Manche Hersteller arbeiten bereits an eigenen Insellösungen für Smart Access und sind weniger an einer Kooperation interessiert als dar- an, was die Wiener Firma im Detail entwickelt. „Offen miteinander reden kann trotzdem zum Erfolg führen“, ist Zehetner überzeugt. „Wer aus lau- ter Vorsicht nicht darüber spricht, was er hat, wird schwer ein lebendes Ökosystem aufbauen können.“ Es gebe immer Wettbewerb am Markt. „Da muss man eben das richtige Team mit dem richtigen Boost haben.“

„Der Firmenname war noch zu haben – nur ein indischer DJ hieß noch Tapkey.“

Markus Minichmayr,

Ko-Gründer Tapkey

Die Tapkey-Gründer (v. l.): Markus Minichmayr, Jochen Schurich, Gilbert Hödl und Gregor Zehetner

„Unternehmen mit Gründungsjahr im 19. Jahrhundert sind nicht von heute auf morgen zu überzeugen, ihre Zukunft auf der Technologie eines Start- ups aufzubauen.“

Gregor Zehetner,

Ko-Gründer Tapkey


Physischen Schlüssel braucht es keinen. Das erleichtert das Schlüssel- management in Büros.

Mit der Smart-Access- Lösung erhalten Zusteller nur zu jenen Bereichen Zugang, die für sie freigeschaltet wurden.

Auch Möbel können mit dem System ausgerüstet werden.

Fotos: tapkey