Nachgefragt

Ist Homeoffice gekommen, um zu bleiben?

  Rainer Kalkbrener


Vorstand

ACP Group AG


„Im Lockdown waren bei uns alle Office- Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter im Homeoffice. Gleichzeitig musste natürlich die IT unserer Kunden am Laufen gehalten werden. Unser Service-Team war immer im Einsatz – unter klaren Schutzmaßnahmen. Mit der Lockerung haben wir das Büro schrittweise wieder bezogen, im Septem- ber aufgrund der Infektionszahlen das Homeoffice wieder ausgeweitet. Wir beobachten die Situation genau und passen unsere Regelungen an. Eine professionelle Ausstattung ist auch daheim eine Voraussetzung. Denn wer an der Technik spart, verhindert Produktivität und fördert Frust. Für die Teamkultur ist ständiges Homeoffice eine Herausforde- rung. Virtuelle Kaffeepausen stellen zwar zum Teil Nähe her, kompensieren aber persönliche Treffen nicht. Corona hat uns den Wert des persönlichen Kontakts auf- gezeigt. Deshalb wird das Office danach ein Comeback feiern – in Kombination mit Remote-Arbeit.“

Foto: Bader Images

Foto: Microsoft /tlutz

Ingrid Heschl


Human Resources Lead

Microsoft Österreich


„Von überall aus arbeiten zu können, war schon immer unsere Philosophie. Dennoch war die gänzliche Umstellung aufs Home- office auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Veränderung. Was früher oft nebenbei in einem Ge- spräch erledigt wurde, wird nun mit Kalen- der geplant. Die Königsdisziplin ist, remote ein Team zu leiten und die Firmenkultur aufrechtzuerhalten. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft dem hybriden Arbeiten gehört. Denn es braucht beides: das Büro, um durch die soziale Komponente eine emo- tionale Bindung zum Unternehmen zu schaffen, und die Flexibilität, um ortsunab- hängig zu sein und Familie und Karriere bestmöglich zu vereinbaren. Die Flexibili- tät, mir den Arbeitsort auszusuchen, genie- ße ich sehr und möchte sie nicht mehr missen.“

Foto: IBM/Pepo Schuster

Gerhard Zakrajšek


Personalleiter

IBM Österreich


„Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Die Digitalisierung hat einen ge- waltigen Schub nach vorn erfahren. Man hat gesehen, was alles möglich ist, wenn es sein muss. Innerhalb von 48 Stunden sind 95 Prozent unserer Mitarbeitenden ins Homeoffice gewechselt. Die Prozesse waren bereits zuvor digitalisiert: Seit über 20 Jahren ist Remote-Arbeiten bei uns ge- lebte Praxis. Auf lange Sicht sehen wir ein hybrides Modell, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Für mich bedeutet Home- office vor allem eine Zeitersparnis. Arbeit und Privates unter einen Hut zu bringen, ist einfacher geworden. Aber es kommt vor, dass man den ganzen Tag nur einmal kurz vom Schreibtisch aufsteht, um sich ein Glas Wasser zu holen. Die Auswirkungen auf Arbeitsalltag, Leistungsfähigkeit von Orga- nisationen, Führung und Motivation kön- nen wir noch gar nicht abschätzen.“

  Christine Antlanger-Winter


Country Director

Google Austria


„Googler sind es gewohnt, auch abseits vom Büro professionell und kreativ ihrem Job nachzugehen. Technologien ersetzen keine physische Nähe, gleichzeitig verbin- den sie aber auch. Dass die Nutzung digita- ler Tools fester Bestandteil der Google- DNA ist, etwa Videoconferencing und das Zusammenarbeiten in der Cloud, hilft uns natürlich. Zugleich sind manche Aufgaben besser lösbar, wenn man sich persönlich trifft – sobald es die Situation wieder er- laubt. Wie die Welt nach Corona aussehen wird, ist schwer einzuschätzen. Bei Google werden derzeit virtuelle „Coffee Chats“ oder „Mystery Coffee Chats“ gemacht – bei Letzterem ist es eine Überraschung, wen man bei der virtuellen Kaffeepause trifft. Auch Wettbewerbe oder Quiz via Apps för- dern den Teamgeist und die Motivation.“

Foto: Klaus Vyhnalek/

Google Austria

 Wolfgang Hesoun


CEO

Siemens AG Österreich


„Die Coronakrise und die daraus resultie- renden Maßnahmen haben bewiesen, dass mobiles Arbeiten nicht nur möglich, son- dern auch effektiv ist. In Österreich haben während des Lockdowns rund 75 Prozent unserer Mitarbeiter von zuhause aus gear- beitet. Der Rest waren Arbeiter in unseren Werken und Angestellte, deren Tätigkeit nicht von daheim erledigt werden kann. Wir arbeiten derzeit an Konzepten, die es unseren Mitarbeitern ermöglichen, zwei bis drei Tage die Woche mobil zu arbeiten und so jene Arbeitsumgebung zu wählen, in der sie ihre besten Leistungen erbringen können.“

Foto: Siemens