Foto: iStock / Getty Images Plus – Feodora Chiosea

Neugier der ForscherInnen

Dekan Heimo Losbichler über die Forschungskompetenz der Fakultät für Wirtschaft und Management der FH OÖ in Steyr, die praxisorientierte Verknüpfung von Lehre und Forschung und die daraus resultierenden Benefits für Studierende.

Die FH OÖ ist die forschungsstärkste FH in Österreich und eine der füh- renden im deutschsprachigen Raum – warum diese forschungslastige Ausrichtung?

Forschung ist die Quelle neuen Wissens und Basis der Weiterentwick- lung. Wer sich auf die reine Wissensvermittlung konzentriert, läuft Gefahr, irgendwann wesentliche Entwicklungen zu versäumen.

Auf welche Forschungsthemen hat sich die FH OÖ in Steyr konkret spe- zialisiert?

In allen unseren Studiengängen wird geforscht. Dementsprechend ge- stalten sich auch das Themenspektrum und die daraus abgeleiteten sechs Forschungsschwerpunkte (Anmerkung siehe Fact-Box Seite 25). Zur Zeit sind es 90 laufende Forschungsprojekte, die am Campus Steyr abgewickelt werden.

Wie entstehen denn diese Projekte? Sind das in erster Linie Aufträge oder Eigeninitiativen?

Das ist sehr unterschiedlich. Das Wesentliche ist aber immer die Neugier des/r ForschersIn. Manchmal kommen die Ideen von einem der Profes- sorInnen, das sind also eigeninitiierte Themen, die selbstständig abgewi- ckelt werden können. Es werden aber auch häufig Themen von Unterneh- men an uns herangetragen, aus Gebieten, in denen wir große Kompetenz haben. Und dann gibt es natürlich auch Calls, also Ausschreibungen, bei denen wir alleine oder in Konsortien mitmachen. Prinzipiell haben wir uns auf angewandte Forschung spezialisiert.

Wie weit sind eigentlich die Studierenden in die Forschungsprojekte ein- gebunden und welchen Nutzen ziehen sie daraus?

Das ist ein vielschichtiger Nutzen. Der unmittelbarste ist, dass wir aktu- ellstes Wissen in den Hörsaal bringen. Darüber hinaus fördert die For- schung die fachliche Entwicklung und Persönlichkeit der ProfessorenIn- nen. Weiters entstehen durch die Forschung viele Kooperationen mit Un- ternehmen und internationalen Universitäten. In Forschungsprojekten gibt es dann viele Aufgaben und Tätigkeiten, die nicht nur von Spitzenfor- scherInnen ausgeführt werden können. Hier sind Studierende immer wie- der direkt in die Forschung eingebunden, insbesondere, wenn sie schon während ihres Studiums als ForschungsassistentInnen Teilzeit mitarbei- ten.

Werden Forschungsfragen auch im Zuge von wissenschaftlichen Ab- schlussarbeiten bearbeitet?

Alle Studierenden müssen eine Bachelorarbeit schreiben, wobei wir ver- suchen diese mit der Praxis zu vernetzen. Also als Ausgangsfrage ein echtes praktisches Problem heranziehen. Freilich ist das wissenschaftli- che Niveau hier noch geringer.

Anders sieht es auf der Masterebene aus, hier sind wir sehr weit oben vom Niveau her angesiedelt und legen auch einen starken Wert auf wis- senschaftliche Methodik. Im Masterbereich entstehen oft beeindrucken- de Arbeiten, von denen regelmäßig einige auch in internationalen Journa- len publiziert werden.

Wie soll es mit der Forschung am Campus Steyr in naher Zukunft weiter- gehen – gibt es konkrete Ansätze und Themen?

Wir wollen uns qualitativ und quantitativ noch steigern. Und neben den großen Themenblöcken, die ja durch die Studiengänge thematisiert sind, haben wir einen Schwerpunkt, der sich durch alle Studiengänge zieht – das Management der digitalen Transformation mit all ihren wirtschaftli- chen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Diesem Thema wollen wir uns in Zukunft noch verstärkt widmen.

Zur Person:

FH-Prof. DI Dr. Heimo Losbichler

ist Studiengangsleiter für Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanage- ment und seit Juni 2018 Dekan an der Fa- kultät für Wirtschaft und Management der FH OÖ sowie Vorstandsvorsitzender des Internationalen Controller Vereins und Vorsitzender der International Group of Controlling.

Foto: privat