Die neuen ManagerInnen müssen digital fit sein

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In Zeiten des digitalen Wandels ist es immer wichtiger, technologisches Knowhow zu haben. Mit welcher Vorreiterrolle der FH OÖ Campus Steyr auf dieses Bedürfnis eingeht, verrät Vizedekan René Riedl im Interview.

Werfen wir einen Blick in die nahe Zukunft – wie schaut der Job eines/r Mana- gers/In in den nächsten Jahren aus?

Heute gibt es keinen BWL-Bereich mehr, der nicht ganz stark durch digitale Tech- nologien beeinflusst wird. Das heißt: Das klassische Management gibt es eigent- lich nicht mehr und wird es vor allem in der Zukunft nicht mehr geben. Digitale Technologien werden das Aufgabenspektrum verändern. Dennoch werden Mana- gerInnen in den Segmenten wie Controlling oder Logistik nach wie vor ihre spezifi- schen Aufgaben haben, weit mehr als bisher werden sie jedoch verschiedene Soft- ware-Werkzeuge nützen, die sie bei diesen Aufgaben unterstützen. Erst wenn man also in der Lage ist, die richtigen Tools zu wählen und diese dann auch richtig an- zuwenden, kann man erfolgreich sein.

Das heißt, ganz klassisch BWL oder Management zu studieren, ist einfach nicht mehr zeitgemäß?

Genau. Heute heißt es, auch mit digitalen Technologien in Berührung zu kommen. Unsere große Initiative an der FH OÖ in Steyr ist es, den Studierenden zu ermögli- chen, sich diese Fähigkeiten anzueignen und den dafür nötigen Background in die Studiengänge zu implementieren.

Wenn der Umgang mit diesen Technologien so ent-scheidend ist, könnte man nicht sagen, dann soll doch gleich jeder Informatik oder Wirtschaftsinfor-matik studieren?

Nicht notwendigerweise, denn das Studium muss nicht zwingend eher technisch ausgerichtet sein. Keine/r, der/ie Management studiert, muss ein/e großartige/r Programmierer/In werden. Aber man sollte Softwareentwicklung aus Manage- mentsicht verstehen und mit den Technologien vertraut sein, um über deren Ein- satz entscheiden zu können.

Warum ist gerade die FH in Steyr so ein Vorreiter auf diesem Gebiet?

Wir waren schon bei unserem Studiengang Digital Business Management die ers- ten, die eine Kooperation zwischen einer FH und einer Universität (Johannes Kep- ler Universität Linz) eingegangen sind und so diesen innovativen Ansatz in Öster- reich in Pionierarbeit entwickelt haben.

Andere Standorte ziehen mit ähnlichen Konzepten nun nach. Diesen Mut zur Inno- vation wollen wir aber eben auch in Zukunft forcieren und deshalb die Digitalisie- rungskomponente, ohne die bald nichts mehr gehen wird, in die Lehrpläne noch konsequenter einbauen.

Und werden in diesem Punkt andere Fachhoch- schulen dann auch bald nachzie- hen?

Die Positionierung von Steyr als umfassende Management-Ausbildung mit zusätz- lichem Fokus auf Digitalisierung verschafft uns einen über längere Zeit aufgebau- ten USP. Wir haben auch den großen Vorteil, dass wir bereits jetzt personaltech- nisch perfekt aufgestellt sind. Wir haben in diesem Bereich sehr viele ExpertInnen im Haus, zahlreiche ProfessorInnen sind WirtschaftsinformatikerInnen und unser Dekan hat beispielsweise Informatik studiert. Das kommt uns alles zugute und un- terscheidet uns auch von anderen Ausbildungsstätten im BWL- und Management- Bereich.

Wie viel Ahnung von Technologien muss ich denn tatsächlich heute in der Ma- nagementebene haben?

Auf jeden Fall muss man die Fähigkeit und Bereitschaft haben, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen sowie einschätzen können, welches Potential diese für das eigene Unternehmen überhaupt bringen können. Sprich, man braucht ein grundsätzliches Wissen, muss sich bei den Basistechnologien auskennen und relevante Tools im jeweiligen Bereich kennen. Das sind zentrale Qualifikationen, die ein/e ManagerIn der Zukunft braucht. Oder anders gesagt: Ein/e ManagerIn ohne jede Technologieaffinität, der sich mit dem Thema überhaupt nicht auseinander- setzen will, wird kein Zukunftspotential haben. Ich traue mich zu sagen – das ist eine aussterbende Generation.

Simpel gefragt: Kann ich nicht einfach als ManagerIn alle Fragen zu Technologien delegieren?

Nicht, wenn man als ManagerInnen autonom handeln, und nicht abhängig von an- deren sein will. Wenn ich kein Wissen habe, kann ich alleine keine Entscheidungen treffen. Und die Spirale dreht sich ja immer schneller, es gibt immer rascher neue Technologien. Und so gerät man auch immer schneller in einen Wissensrückstand, den man bald nicht mehr aufholen kann. Noch einmal: Man muss kein/e Exper- te/In sein, sollte aber up to date sein und einigermaßen auf Augenhöhe mit IT-Leu- ten, um nicht in zu starke Abhängigkeiten zu geraten.

Die FH OÖ in Steyr hat Kontakt zu vielen Unternehmen – kommt auch von dieser Seite der Wunsch nach einer zusätzlichen Qualifikation in puncto Technologien?

Absolut! Denn abgesehen davon, dass TechnikerInnen im weitestem Sinne fehlen, vor allen Dingen aber SoftwareentwicklerInnen, erkennen auch immer mehr Unter- nehmen die Schnittstellenfunktion im Management und dass man dringend Mitar- beiterInnen braucht, die von beiden Welten – also von Management und digitalen Technologien – etwas verstehen.

Job & Karriere:

Digitale TrendsetterInnen im Fokus

Name: Marion Steindl

Studium: Internationales Logistik- Ma- nagement, Supply Chain Management

Arbeitgeber: Red Bull

Job: Projektmana-gement für globale Software- Projekte in der Supply Chain

Name: Florian Pinter

Studium: Global Sales and Marketing

Arbeitgeber: Porsche Inter Auto GmbH & Co KG

Job: Experte für die Digitalisierung der Kernprozesse im Sales und Aftersales

Name: Christine Crepaz

Studium: Digital Business Management

Arbeitgeber: BMW AG, München

Job: Verantwortlich für das Global Web Operation Network – Digital Products, Digital Commerce

Name: Thomas Griesmayr-Oberndorfer

Studium: Produktion und Management

Arbeitgeber: STIWA Advanced Products GmbH

Job: Verantwortet im Bereich Lean und Digitalisierung die Wertstromorientierung / Wertstromdesign und -analyse sowie die Gestaltung von Lean Konzepten im Umfeld der Hochleistungsautomation.