Fotos: privat, Illustration: Peter Hofmann

Grant Pringle, Südafrika

Akshay Kumbhar, Indien

María Molina, Kolumbien

Abdulnaser Alhafari, Syrien

Vier Wege nach Wels

Diese vier AbsolventInnen haben in Österreich Arbeit gefunden. Das gelingt leider noch nicht allen internationalen Studierenden ...

Vor 18 Jahren war sie einmal in Mitteleuropa. Und es hat ihr gefallen. Ausgestattet mit einem Stipendium ihres Heimatlandes Kolumbien reist María José Molina MSc viele Jahre später nach Oberösterreich um ihren Master in Innovation and Product Management machen zu können. Nachdem sie daheim die letzten fünf Jahre bereits gearbeitet hatte, ist sie plötzlich wieder Studentin. „Ich war die Älteste meines Studiengangs“, erzählt sie, „aber es war toll Leute aus aller Welt kennenzulernen, persön- liche Kontakte zu auch in Südamerika bekannten Firmen wie BMW oder voestalpine zu knüpfen!“

Wels öffnet sich der Welt

Innovation and Product Management war der erste englischsprachige Master-Studiengang, mit dem die FH in Wels 2012 begann, vermehrt in- ternationale Studierende wie María Molina anzuziehen. In den letzten sie- ben Jahren ist viel geschehen: Fünf internationale Studiengänge gibt es inzwischen, der Anteil internationaler Studierender hat sich bei etwa 20 Prozent eingependelt. „Wir haben Studierende aus 70 Herkunftsländern auf fünf Kontinenten hier“, berichtet Mag. Kamilla Trubicki vom Interna- tional Office an der FH in Wels. So sehr alle das internationale Flair an der FH schätzen und laufend Erfolgsgeschichten geschrieben werden, Trubi- cki kennt auch die Problematiken, mit denen sich Studierende aus dem Ausland auseinandersetzen müssen: „Für Drittstaatenangehörige gibt es genaue Regelungen für den Arbeitsmarktzugang, der Arbeitgeber muss sich um die rot-weiß-rote Karte bemühen. Vielfach werden daher Öster- reicherInnen bevorzugt, weil der Prozess bekannt ist.“

Motorräder und Windräder

Grant Pringle MSc war bei seiner Jobsuche sehr erfolgreich: Nach dem Studium Automotive Mechatronics & Management, für das der Südafri- kaner nach Wels gekommen war, bekam er eine Stelle bei KTM. „Das ist schon ein Traumjob“, erzählt Grant, „ich bin jeden Tag von Motorrädern umgeben und kann mein Wissen aus dem Studium anwenden, um sie weiter zu verbessern!“ Grant weiß aber auch, dass es nicht für alle Inter- nationale so gut läuft: „Als Nicht-Österreicher hat man sowohl die Sprachbarrieren, als auch viele kulturelle Unterschiede, die man überwin- den muss.“

Das sieht auch der Inder Akshay Kumbhar MSc so, der seinen Master in Sustainable Energy Systems absolvierte und heute bei der Ecotherm Austria GmbH als Sales- und Export-Manager tätig ist: „Deutsche Sprachkenntnisse sind das Wichtigste, das internationale Studierende hier brauchen! Besitzt man diese und ist in seinem Bereich kompetent, kann man hier aber gut Karriere machen!“ Kumbhar möchte in Österreich so viel wie möglich lernen, bevor er irgendwann nach Indien zurückgeht, um an Projekten rund um Erneuerbare Energien mitzuarbeiten.

Gekommen, um zu bleiben

„Viele Firmen erkennen die Benefits, die internationale Studierende mit- bringen“, erklärt Trubicki, „die BewerberInnen bringen Marktwissen aus dem Heimatland mit und haben ein Gespür für interkulturelle Themen!“ Gegenüber von Job-AnwärterInnen direkt aus dem Ausland kann man bei internationalen AbsolventInnen der FH außerdem sicher sein, dass sie gut ausgebildet sind, sie bereits die Kultur und Sprache kennen und in der Regel auch hier bleiben wollen. „Was uns leid tut“, sagt Trubicki, „ist, wenn unsere internationalen Studierenden keine Stelle finden und zum Beispiel nach Deutschland abwandern.“ Das schmerzt mehr, als wenn internationale Studierende nach dem Studium oder ersten Berufserfah- rungen zurück in die Heimat gehen. Die RückkehrerInnen tragen zum weltweiten Österreich-Netzwerk bei. Sie berichten daheim von ihren Er- fahrungen, pflegen Kontakte nach Österreich, kooperieren vielleicht mit heimischen Unternehmen.

Ein Glück, hier zu sein

Eine Rückkehr in seine Heimat – das ist für den Syrer Abdulnaser Alhafari BSc derzeit kaum vorstellbar. Er hat in Österreich eine zweite Heimat ge- funden und ist dem Land – und der FH in Wels – in Dankbarkeit verbun- den: „Ich kam über die Balkan-Route als Flüchtling nach Österreich. Wäh- rend ich auf meine Aufenthaltsgenehmigung wartete, hörte ich, dass die FH in Wels Studienplätze für Internationale anbot. Ich bewarb mich für Electrical Engineering – und wurde aufgenommen!“ Die erste Zusam- menarbeit des Syrers mit einem österreichischen Unternehmen fand im

Rahmen seines Berufspraktikums bei Trench Austria statt, in- zwischen arbeitet er an seiner Masterarbeit bei Sprecher Auto- mation. „Ich habe so viel von der Nähe zwischen der FH und den Unternehmen profitiert“, sagt Alhafari, „wer im Studium ei- nen guten Eindruck macht, wird auch einen beruflichen Einstieg finden!“

Praktikum als Karrierestart

Die Bedeutung der ersten praktischen Erfahrungen betont auch Kamilla Trubicki: „Ein Berufspraktikum zu finden, ist für interna- tionale Studierende oft eine Herausforderung. Aber dann führt es für viele gleich zum ersten Job!“

So war es auch bei María Molina. Aus einem Masterpraktikum bei GREINER wurde eine Vollzeitanstellung im Innovationsma- nagement. In einem kleinen Team prüft sie neue Technologien und Ideen auf ihr Potential für ihr Unternehmen. „Bei uns ist es sicherlich kein Nachteil, international zu sein – aber man darf sich auch keine Sonderbehandlung erwarten!“ Heißt: Deadlines sind Deadlines, und sprachlich muss man sattelfest sein. Mittel- fristig will Molina an der Johannes Kepler Universität Linz ihre Dissertation schreiben, in etwas fernerer Zukunft kann sie sich auch vorstellen, nach Kolumbien zurückzugehen und auf einer Uni in Bogota zu unterrichten. „Ich bin mit einem Stipendium nach Österreich gekommen, ich will meinem Land etwas zu- rückgeben“, sagt sie.

International Facts

Campus Wels

-Outgoings 2018: 202

-Incomings 2018: 211

-Internationale Regulärstudie- rende 2018/19: 420

-20 % internationale Studieren- de aus rd. 70 Ländern

-Auslandssemester und -prakti- ka möglich

-5 Internationale Studiengänge:

-Automotive Mechatronics & Management (MSc)

-Electrical Engineering (BSc und MSc)

-Innovation and Product Ma- nagement (MSc)

-Sustainable Energy Systems (MSc)

-100+ Partnerhochschulen welt- weit für Auslandssemester und -praktika

www.fh-ooe.at/international