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Natürlich kann man einfach eine Hütte hinknallen und diese vermieten. Manche Wohnungsbauten schauen auch so aus. Verantwortungsvolle Eigentümer machen aber mehr. Sie überlegen sich, wie das Gebäude in die Umge- bung passt, was es historisch vielleicht einmal bedeutete, und tun sich die Mühe an, gute Architektur zu ermöglichen.


Manche setzen noch einen drauf und sich mit Kunst und (Bau-)Kultur auseinander. Wie die Bundesimmobilienge- sellschaft mit BIG ART (siehe Immobilienwirtschaft 02/2020) oder die Amisola (Teil der Karl Wlaschek Privat- stiftung, deren dezidiertes Stiftungsziel es übrigens ist, das historische Erbe Wiens zugunsten der Allgemeinheit zu erhalten). Aktuelles Beispiel: Die Barichgasse 38 in 1030 Wien. Anstatt ein ordinäres Bürohaus hinzustellen, wurde bei der Revitalisierung die Seele des Hauses her- ausgearbeitet. Einst war hier das Möbelunternehmen „Portois & Fix“ ansässig, es gehörte zu den Größen der Wiener Moderne und führte Entwürfe aus den Federn Otto Wagners, Max Fabianis, Koloman Mosers und Josef Hoffmanns aus und arbeitete auch eng mit der Wiener Werkstätte zusammen. Die komplette Neugestaltung durch ACC Ziviltechniker referenziert mit seinem Indus- trial Style auf diese Zeit.


Im Eingangsbereich wurde nun eine Kunstinstallation fer- tig. Die Künstlerin Astrid Young platziert dort farbige, aus Kabelbindern geflochtene Kugeln scheinbar beziehungs- los zueinander. Sie wolle damit die Vielfalt der Menschen in dem Gebäude, deren unterschiedliche Herkunft und Tätigkeit zu einer losen Einheit zusammenfassen, erklärt sie. Aber „bevor man das Gebäude betritt, kann die Instal- lation durch ein Schauloch in der Glastüre betrachtet werden. Der Blickwinkel vereint dort durch Zentralper- spektive die einzelnen Elemente optisch zu einem blühen- den Baum, der sich in den Gang neigt“, erklärt Young. Ein Baum der Erkenntnis, von dem ruhig zahlreiche weitere Bauträger und Investoren naschen dürfen, selbst wenn sich Kunst und Baukultur nicht sofort direkt auf die Ren- dite auswirken.