Der neue CEO von 6B47 Real Estate Investors, Sebastian G. Nitsch, über die neue finanzielle Stabilität, und warum er gerade jetzt Büroimmobilien gut findet.

Goldrichtig

Sie sind neuer CEO bei 6B47, es hat sich aber auch sonst viel getan, das letzte Jahr war für Ihr Unternehmen recht turbulent …

Nitsch: Es hat sich viel getan. Wir haben uns im letzten Jahr als Vorstandsteam gefunden und gezeigt, dass wir ein gemeinsames, starkes Team sind – auch im Vorstand. Finanziell steht die 6B47 so solide und sicher wie noch nie zuvor da. Wir haben sehr erfolgreich Projekte verkauft und uns so das Pouvoir für neue Projekte geschaffen. Zudem sind wir den neuen Weg der Unternehmensfinan- zierung mittels Banken gegangen, um unsere Anleihen frühzeitig zurückzukaufen – das hat sich als goldrichtig erwiesen. Und schließlich führten wir noch eine Kapitalerhöhung durch. Wir haben also ein richtig gutes Fundament und somit die wichtigen Ressourcen für neue Projekte geschaffen. Ein Trend, den wir vor allem in Deutschland beobachten, ist, dass für den Ankauf eines Grundstücks ein Eigenmittelnachweis notwendig ist. Wer die nicht vorweisen kann, ist aus dem Rennen. Wir können den Markt und die Entwicklungen beobachten und im richtigen Moment neue Opportunitäten wahrnehmen.


Grundidee bei 6B47 war immer, gemeinsam mit anderen zu investieren. Hat sich das jetzt verändert?

Nitsch: Ich denke, wir waren die Ersten, die mit der Idee des Real Estate Clubs vor zehn Jahren privaten Investoren eine attraktive Möglichkeiten geboten haben, sich am Erfolg der Projektentwicklung zu beteiligen. Der Club wird weiterhin ein Teil von uns sein. Wir überarbeiten unsere Strategie aber natürlich permanent, und in den letzten Jahren hatten wir bei größeren Projekten auch immer mehr Institutionelle als Partner. Mit unserer neuen Kapitalstruktur können wir nun auch noch größere Investoren ansprechen, das ist sicher ein Vorteil.


Stichwort große Projekte – wie steht es um das Althan Quartier?

Nitsch: Im Althan Quartier haben wir eine echte Quartiersentwicklung, wie sie im Buche steht. Wir wollen mit Begegnungszonen, Durchwegung, attraktiver Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten das belebte Zentrum des Grätzels werden. Das Areal ist aus Unternehmenssicht nun aber in vier unterschiedliche Projekte mit unterschiedlichen Nutzungen aufgeteilt – Wohnen, Hotel, Büro, Gewerbe – und somit gibt es auch kein Klumpenrisiko. Im Gegenteil, weil sie sich nebeneinander befinden, können wir Synergien nutzen und effizienter und effektiver sein. Mit der Baugenehmigung rechnen wir noch heuer, dann geht es an die Umsetzung.


Büroflächen jetzt zu entwickeln ist aber mutig.

Nitsch: Eigentlich gar nicht, denn erstens sind Büroimmobilien hinsichtlich der Grundrisse am flexibelsten – da gibt es ein Stahlbetonskelett, der Rest ist offen. Außerdem werden 2023 in Wien nur zwei große Büroprojekte fertig werden, eines davon ist unseres mit rund 38.000 Quadratmeter Officefläche. Und wir können Bürogeschossflächen von 7.000 Quadratmeter in einer richtig guten urbanen Lage anbieten – das hat schon was!


Welche Rolle spielt der ländliche Raum – oder entwickelt 6B47 ausschließlich in den großen Städten?

Nitsch: In Deutschland sind wir in den Big 7 – also den großen Städten – aktiv, aber wir interpretieren die Metropolenregion etwas weiter. Die Region Wien etwa reicht für uns von Hainburg bis St. Pölten. In der niederösterreichischen Landeshauptstadt haben wir ja zum Beispiel eine 21.000 Quadratmeter große ehemalige Gewerbefläche erworben und werden rund 400 Wohnungen bauen.


Was ist Ihrer Meinung nach sicher, in so unsicheren Zeiten wie diesen?

Nitsch: Man kann jedenfalls von einer anhaltenden Niedrigzinspolitik ausgehen. Derzeit spielen die Aktienmärkte verrückt, mit Anleihen lässt sich kein Geld verdienen und für Cash muss man zahlen – da ist die Immobilie als Investition unschlagbar. Klar ist außerdem, dass der Bedarf im urbanen Wohnsegment noch immer nicht gedeckt ist. Es gibt also nach wie vor viel zu tun. Wir haben während des Lockdowns nie- manden in Kurzarbeit geschickt.

Quartiersentwicklung ohne Klumpenrisiko:

Die Baugenehmigung für das Althan Quartier soll noch heuer kommen.