RA Dr. Daniela Huemer, LL.M. (Praxisgruppe Immobilienrecht)

RAA Mag. Kaleb Kitzmüller (Praxisgruppe 360° Erneuerbare Energie)

© Haslinger / Nagele

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Green Deal für Ihre Immobilie – rechtlich cool bei heißem Thema

Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit sind schon längst nicht  mehr Kür bei Immobilienprojekten, sondern Teil des Pflichtprogramms. Der anwendbare Rechtsrahmen kann herausfordernd sein.

Immobilien als Klimakiller?

Der aktuellste Bericht des UN Environment Programme zeigt deutlich, welchen enor- men Einfluss die Immobilienwirtschaft auf die Klimaentwicklung hat. Insgesamt ist der Immobiliensektor für etwa 38 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Dabei ist es inzwischen kein Geheimnis mehr, dass sich mit nachhaltigen Immobilienprojekten oft höhere Renditen, Verkaufs- und Miet- preise erzielen lassen. Der Weg zur nach- haltigen Immobilie stellt die Immobilien- branche vor Herausforderungen – auch rechtliche.


Wo liegen die Probleme?

Für den CO2-Ausstoß von Immobilienpro- jekten sind vor allem die Bauart und die ver- wendeten Baustoffe sowie Energieerzeu- gung und -verbrauch (samt Wärme & Kälte) verantwortlich. Darüber hinaus spielt auch der Konnex Immobilie/Mobilität eine tra- gende Rolle. Indirekt dient zudem oft die Finanzierungsart als eine Weggabelung, an deren Ende entweder eine nachhaltige Vor- zeigeimmobilie oder ein weiteres Klimapro- blem stehen kann.


Lösungen, Lösungen, Lösungen

Statt auf Location, Location, Location kann man sich beim Thema Nachhaltigkeit aber zum Glück auf Lösungen konzentrieren. Bei der aktiven Planung der Energieeffizienz und Energieautarkie kann der nachhaltige Werkzeugkasten neben der klassischen

Dach-PV-Anlage nun zum Beispiel um die Energiegemeinschaften erweitert werden. Vor allem bei gewerblichen Immobilienpro- jekten kommt es zudem zu einer Abkehr vom klassischen Energieversorgungssys- tem und erfreuen sich Direktliefermodelle (zum Beispiel Power-Purchase-Agree- ments) immer größerer Beliebtheit.


Rechtliches Neuland in Sicht

Mit Spannung wird die Novelle des Woh- nungseigentumsgesetzes (WEG) erwartet. E-Ladestationen und PV-Anlagen sollen da- durch leichter errichtet werden können. In den Bundesländern werden zudem in Raumordnung und Baurecht allmählich die Stellschrauben in Richtung Klimaschutz ge- dreht. Neben Wien soll etwa auch in der Steiermark die Errichtung von PV-Anlagen beim Neubau von Gebäuden zur Pflicht werden.


Green Deal statt Greenhorn

Gute Intentionen reichen für nachhaltige Immobilienprojekte nicht aus, vielmehr ist gerade wegen der vielen neuen Möglichkei- ten eine verknüpfte Rechtsberatung emp- fehlenswert. Dadurch kann Nachhaltigkeit idealerweise risikominimiert über alle Pha- sen eines Projekts gelebt werden. Ein 360°- Blick ist deshalb der Schlüssel zur nachhal- tigen Rechtsberatung.


www.haslinger-nagele.com

www.360ee.at

Ökologisch verträglich Planen und Bauen

als fixer Bestandteil

Klimaschonendes Bauen ist eine Grundhaltung. Um Menschen qualitätsvollen, nachhaltigen und energieeffizienten Wohnraum zu leistbaren Konditionen zur Verfügung stellen zu können, verfolgen wir neue Strategien. Als größter gemeinnütziger Bauträger Österreichs prägt die ÖSW-Gruppe maßgeblich Gebäudestandards.

Um den kulturellen Mehrwert von Architek- tur und die Leistbarkeit von qualitätsvollem Wohnen sicherstellen zu können, muss ne- ben Ästhetik und Funktion ein ganzheitli- cher Ansatz verfolgt werden. Es gibt keine Standardlösungen. Ein optimales Ergebnis im Sinne der Nachhaltigkeit und der Kreis- laufwirtschaft kann nur unter Betrachtung des Gebäudes im gesamten Lebenszyklus, von der Entwicklung über die Realisierung bis hin zur Bewirtschaftung und Instand- haltung, inklusive Bau- und Abbrucharbei- ten, erzielt werden.


Neue Maßstäbe für Nachhaltigkeit

Zukünftig wird neben dem Heizen das Küh- len immer stärker in den Vordergrund rü- cken. Im Neubau präferieren wir daher be- reits Fern-/Nahwärme auf Basis erneuerba- rer Energieträger, wo möglich und sinnvoll kommen verstärkt Wärmepumpensysteme in Kombination mit Photovoltaikanlagen zum Einsatz. Im Projekt Biotope City WIE- NERBERG haben wir in unseren Gebäuden die Bauteilaktivierung als Teil des Gesamt- konzeptes, mit Beschattung und Begrünung ohne technisch aufwendige Maßnahmen, umgesetzt. Biotope City WIENERBERG er- hielt die erste GREENPASS Platinum Zertifi- zierung – weltweit. Bis dato stand immer das einzelne Gebäude im Mittelpunkt. Mit der Zertifizierung von Quartieren werden international neue Maßstäbe für nachhalti- ge, grüne Stadtentwicklung gesetzt.


Für die permanente Weiterentwicklung von klimafreundlichen Maßnahmen ist die inter- ne Kommunikation eines Unternehmens be- sonders wichtig. Der Know-how-Transfer innerhalb unseres Konzerns hat die Umset- zung von Vorzeigeprojekten wie „Biotope City WIENERBERG“ oder die 115-Kilowatt- Peak-Photovoltaikanlage inkl. 240 kWh fas- sendem Stromspeicher auf unserer Kon- zernzentrale in Wien, „Rosa Zukunft“ von der Salzburg Wohnbau GmbH sowie aktuell in Entwicklung die „Neunergründe“ in Kärn- ten ermöglicht.

©Gerlinde Gorla

MIT EINEM VOLUMEN VON DERZEIT 3.500 WOHNEINHEITEN IM BAU UND 3.000 IN PROJEKTENTWICKLUNG PRÄGEN WIR ALS ÖSW-KONZERN MASSGEBLICH GEBÄUDE- STANDARDS IN GROSSEN T EILEN ÖSTERREICHS – AUCH BEIM THEMA DER NACHHALTIGKEIT.

Michael Pech, Generaldirektor der ÖSW-Gruppe

DER INVESTMENTMARKT TROTZT DER KRISE

Österreichs Immobilieninvestmentmarkt weist auch in der Coronakrise eine starke Performance auf, unterliegt aber tiefgreifenden Änderungen.

Das Investmentjahr 2021 ist weiterhin stark von den Auswirkungen der Pandemie geprägt, dies zeigt sich jedoch nicht durch eine Zurückhaltung der Investoren bei ihren Immobilieninvestments, da weiterhin sehr viel Liquidität vorhanden ist und diese in- vestiert werden muss. Vielmehr ist eine risi- koadjustierte Verschiebung bei den Asset- klassen, in die investiert wird, zu sehen.


Gerade die oftmals eher sicherheitsorien- tierten institutionellen Investoren haben in den letzten Monaten ihr Investmentprofil überarbeitet und die krisengeschüttelten Segmente Hotel und Shoppingcenter durch eine Verstärkung ihres Engagements in den „Corona-resistenten“ Bereichen Wohnen, Logistik und Nahversorgung ersetzt.


Aufgrund dieser Marktanpassung gehen die Assetklassen Wohnen, Logistik und Nahver- sorgung als große Gewinner der Coronakri- se hervor, was sich auch an deren Anteil am Gesamtinvestmentvolumen deutlich zeigt.


Während nahezu wöchentlich neue Investo- ren das Segment Wohnen für sich entde- cken und die Assetklasse der institutionel- len Wohninvestments mit einem Anteil von 37 Prozent im Jahr 2020 sowie auch im 1. Halbjahr 2021 auf Platz 1 der beliebtesten Investments katapultierten, wurden Büro- investments auf Platz 2 verdrängt. Hier un- terbindet vor allem die geringe Verfügbar- keit von sogenannten Core-Objekten ein hö- heres Transaktionsvolumen, wobei in die- sem Bereich maßgeblich langfristig vermie- tete Top-Objekte mit bonitätsstarken Mie- tern gesucht sind. Die Renditen für diese Spitzenobjekte tendieren hier mittlerweile unter 3 Prozent.


Daneben gehört der Logistik- und Nahver- sorgungsbereich derzeit zu den mit Abstand beliebtesten Assetklassen. Getrieben vom Lebensmittelhandel und dem auch pande- miebedingten, enormen Zuwachs des On- linehandels ist der kurz- bis mittelfristige Flächenbedarf für Logistikflächen stark ge- stiegen. Das hat nicht nur die Vermietungs- dynamik in diesem Bereich befeuert, son- dern auch für entsprechendes Produktan- gebot am Investmentmarkt gesorgt. Die Renditen für Top-Objekte erreichen hier be- reits das Niveau von sehr guten Büroobjek- ten und haben die 4-Prozent-Hürde längst unterschritten, insbesondere wenn es um die sogenannte „letzte Meile“ geht. Es gibt hierbei allerdings ein Problem: Die Objekte sind nach wie vor Mangelware und die Nachfrage kann nicht in ausreichendem Maß befriedigt werden.



Dipl. BW (BA) Markus Mendel, MRICS, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting

© EHL

Viele institutionelle Investoren verfolgen derzeit eine eher risikoaverse Anlagestrategie.

Dipl. BW (BA) Markus Mendel, MRICS

Betongold glänzt nicht immer

Wie hat die Pandemie die Bewertung der unterschiedlichen Assetklassen verändert?

Die Lücke, welche die Pandemie im Jahr 2020 verursacht hat, ist längst geschlos- sen. Generell kann man feststellen, dass die Immobilienbranche einer der wenigen Profiteure der Krise ist. Doch wie haben sich die einzelnen Assetklassen entwickelt:


Wohnen

Der Sturm auf die sicherste Assetklasse hat die Prognosen bei Weitem übertroffen. Ein- zelne Marktsegmente wirken sogar „aus- verkauft“. Der Markt ist sehr liquide und es besteht keine Blasengefahr, dennoch ist Vorsicht geboten: Einige Angebote am Markt werden von Glücksrittern zu deutlich überzogenen Preisen angeboten. Wer hier kauft, der wird lange keinen wirtschaftli- chen Erfolg seines Investments sehen.


Büro

Der Büromarkt kommt langsam wieder in Fahrt. Derzeit ist bei den Renditen kein Auf- schlag zu verzeichnen. Doch nahezu jede Firma denkt über die zukünftigen Anforde- rungen ihrer Büroflächen nach. Die Büroflä- che der Zukunft wird anders aussehen als heute, die Räume werden mehr unter- schiedliche Funktionen haben und die Zei- ten der Zellen- oder Großraumbüros sind vorbei.


Einzelhandel

Es sind geringe Aufschläge bei der Rendite bemerkbar, diese dienen jedoch eher dazu, den Markt in gute und schlechte Objekte zu segregieren. Der stationäre Handel kann sich noch behaupten, aber die Änderungen

durch den wachsenden Online-Anteil sind stark spürbar. Die Flächen in Einkaufszen- tren werden zukünftig andere Wertigkeiten haben: Auslage, Showroom, Verkauf, Lager, Versand und Dienstleistung sind heute oft noch in einer Fläche subsumiert.


Logistik

Dieser Bereich gehört zu den größten Ge- winnern der Krise, die Nachfrage nach mo- dernen Lagerflächen ist förmlich explodiert. Der Onlinehandel kann diese problemlos auslasten. Gleichzeitig steigt die Anforde- rung an die Qualität der Flächen. Die Rendi- ten für moderne und gut gelegene Logistik- flächen erreichen heute bereits das Niveau von Wohnimmobilien.


Hotels

Die Hotelbranche leidet noch länger unter den Auswirkungen der Pandemie, der In- vestmentmarkt durchläuft derzeit eine Kon- solidierungsphase. Gute Objekte finden nach wie vor ihre Käufer.

© Reinberg & Partner

Wolfgang M. Fessl, Geschäftsführer Reinberg & Partner Immobilienberatung GmbH

Wolfgang M. Fessl,

Geschäftsführer Reinberg & Partner Immobilienberatung GmbH

Der Bereich Logistik gehört zu den größten Gewinnern der Krise.