Illustration: Peter Hofmann

Dresscode

Die richtige Stimme für den ersten Eindruck – Andrea Bachner

Streng genommen sollte hier anstelle des Textes eine DVD eingeklebt sein. Denn Andrea Bachner, Sprechtrainerin und Moderatorin, beweist beim Interview, dass alles, was sie in den Workshops und Einzelcoachings bei uns im TU Career Center vermittelt, in der Praxis absolut funktioniert: Der erste Eindruck muss stimmen! Andrea Bachner überzeugt beim Gesprächstermin mit ihrer Kleiderwahl, ihrer Haltung, ihrer Stimme und selbstverständlich mit ihrem Fachwissen rund ums Thema Dresscode.

Frau Bachner, warum ist die Kleidung beim Bewerbungsgespräch so wichtig?

Wir hinterlassen ab der ersten Sekunde einen Eindruck bei unserem Gegenüber. Werden die ersten Sekunden als positiv empfunden, dann kann diese erste persönliche Begegnung bereits ein Türöffner sein. Verpatzt man seinen Auftritt allerdings, weil man ein wenig ungepflegt wirkt, könnte es schwierig werden, später noch im Bewerbungsgespräch von sich zu überzeugen.

Warum ist das so?

Wer sich ordentlich kleidet und ge- pflegt ist, drückt seinem Gegenüber damit seine Wertschätzung aus. Dar- über hinaus zeigen Menschen, die sich dem Dresscode einer Gruppe oder eines Teams anpassen, dass sie dazugehören möchten und ehrliches Interesse an einer Position in einem Unternehmen haben. Dass man die fachlichen Voraussetzungen für ei- nen Job erfüllt, steht meist schon fest, wenn man eine Einladung zum Gespräch bekommen hat. Qualifiziert sind meist aber auch andere – des- halb muss man ab der ersten Sekun- de mit einem sicheren Auftreten punkten.

Technikerinnen und Technikern wird nachgesagt, sie würden sich eher für ihr Fachgebiet interessieren als für ihre Kleidung. Kann man mit löchrigen Jeans und Schlabberpulli beim Bewerbungs- gespräch kompetent wirken?

Ich denke nicht, dass man mit so einem Outfit bei einem Gespräch etwas erreichen kann. Extremes Fachwissen und geballte Kompetenz hin oder her. Vor allem – es muss ja nicht zwingend ein Anzug oder ein Kostüm sein, wenn man sich darin überhaupt nicht wohlfühlt. Eine Stoffhose und eine Jacke oder ein Kleid funktionieren auch sehr gut. Es sollte einfach eine dem Anlass entsprechende Kleidung sein, schließlich geht es ums Business.

Sollte man sich vorher erkundigen, ob es einen Dresscode in einem Unternehmen gibt?

Ja! Sich vorher schlaumachen ist gut. Man kann die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter auf der TUday beobachten, im Internet recherchieren oder beispielsweise im Sekretariat anrufen und höflich nachfragen, ob es einen Dresscode gibt. Alles ist besser, als beim Bewerbungsgespräch „schmuddelig“ zu wirken. Und wenn es doch der Anzug sein muss, dann eine dezente Krawatte wählen und seine Abscheu gegen diese vermeintliche „Verkleidung“ nicht mit einer Mickey-Mouse- Krawatte ausdrücken. Man will schließlich als Persönlichkeit wahrgenommen werden und nicht als Testimonial für den Disney-Konzern.

Was tun, wenn man in letzter Sekunde eine Laufmasche entdeckt oder der Na- gellack abgesplittert ist?

Ist eine Laufmasche passiert oder der Nagel an einer Stelle abgesplittert, dann würde ich das keinesfalls thematisieren, solange das Gespräch auf einer fachlichen Ebene stattfindet. Wechselt das Gegenüber in den Plauderton und es ergibt sich, dann kann man mit einem Lächeln solche Missgeschicke charmant entschuldigen, sofern es überhaupt jemandem außer einem selbst aufgefallen ist.

Studierende sind meist legere Kleidung gewöhnt. Sollten sie ihren Auftritt mit Anzug oder Kostüm vielleicht üben vor einem Bewerbungsgespräch?

Ja! Einfach daheim sein Bewerbungs-Outfit zur Probe tragen. Freunde oder Freundinnen und Familie fragen, wie man damit wirkt und ob das neue Kleidungsstück zu einem passt. Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung – sitzt die Kleidung, zwickt und drückt es nicht, dann hat man auch sofort eine ganz andere Ausstrahlung und nimmt eine selbstbewusstere Körperhaltung ein.

Sie leiten für uns am TU Career Center einige Workshops und machen auch Einzelcoachings. Welche Botschaften geben Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit?

Zwei mal pro Jahr gibt es den Workshop „Business Knigge“ in dem neben verschiedenen Geschäftssituationen auch alles, was man bei einem Bewerbungsgespräch beachten sollte, gemeinsam trainiert und nachgespielt wird. Es geht um die verbale, die nonverbale und die paraverbale Kommunikation.

Das heißt, Sie lehren auch, wie man seine Stimme besser einsetzen kann?

Ja, in den Workshops machen wir einige Stimm- und Atemübungen. Eine nachhaltige Verbesserung der Stimme ist allerdings nur mit viel Übung zu erzielen. Deshalb empfehle ich für ein effektives Stimmtraining eher Einzelstunden. Im Training geht es mir darum, zu zeigen, dass man sich mit einer „kleinen“, leisen Stimme selbst nichts Gutes tut. Denn das Gegenüber könnte Unsicherheit heraushören und weniger Kompetenz vermuten. Deshalb, – tief einatmen und in angemessener Lautstärke seinem Gegenüber antworten. Dann klappt das.

Wenn jemand einen Ihrer Workshops oder ein Coaching absolviert hat und trotzdem nervös ist vor dem Gespräch – was empfehlen Sie dann zu tun?

Ich könnte jetzt übertrieben selbstbewusst antworten, dass das nach einem Training mit mir nicht passiert. Dem ist aber nicht so. Wir sind alle nur Menschen und es hängt auch von der Tagesverfassung und der allgemeinen Stimmung bei einem Bewerbungsgespräch ab, ob es jemand locker angeht oder eben nervös ist. Habe ich beispielsweise eine schwierige Moderation vor mir, dann hilft es, wenn ich versuche, meine aktuelle innere Einstellung zu verändern. Denn die Erfahrung zeigt, dass ein gesundes Selbstbewusstsein und ein dezentes Lächeln jeden strahlen lässt. Ich empfehle darüber hinaus, auch daheim oder mit Freunden ein Bewerbungsgespräch nachzuspielen und sich Feedback einzuholen. Wie wirke ich auf mein Gegenüber? Wie ist meine Körperhaltung? Welchen Gesichtsausdruck habe ich bei komplizierten Fragen? Und keine Sorge, Lampenfieber war, soweit ich weiß, noch nie der Grund, einen Job nicht bekommen zu haben.

Und in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild, was könnte man da noch tun, ganz kurz vor dem Gespräch?

Einen finalen Blick in einen großen Spiegel auf der Toilette werfen, um zu kontrollieren, ob Outfit sowie Frisur sitzen, und prüfen, ob das Deo noch wirkt. Sich selbst ein Lächeln schenken und zwei, drei Mal tief in den Bauch atmen. Die Schulterblätter zusammenziehen, sich aufrecht hinstellen und los geht’s! Überzeugen Sie Ihr Gegenüber ab der ersten Sekunde mit Ihrem perfekten Auftritt. Ich wünsche allen ganz viel Erfolg! Sie schaffen das!

Andrea Bachner, Sprechtrainerin und Moderatorin

Wir hinterlassen ab der ersten Sekunde einen Eindruck bei unserem Gegenüber. Die erste Begegnung kann ein Türöffner sein!

Mag. Ursula Wiesinger, Bereichsleitung Recruiting