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Erfolgreich bewerben

Ein gut vorbereiteter Bewerbungsprozess ist der erste Schritt in ein Unternehmen.

Ein Studienabschluss an der TU Wien eröffnet den Absolventinnen und Absolventen unzählige Möglichkeiten für ihre berufliche Laufbahn. Um seinen Traumjob nach dem Studium auch zu bekommen, ist es wichtig, sich gezielt auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten. Georgina Bender, BA, HR Consultant bei uns im TU Career Center, weiß gut, wie das Recruiting in großen Unternehmen abläuft. Sie war viele Jahre im HR-Team eines internationalen IT-Unternehmens tätig und kann deshalb Fragen von Absolventinnen und Absolventen authentisch beantworten.

Frau Bender, was bietet das TU Career Center Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen zum Thema Bewerbung an?

Georgina Bender: Wir versuchen sie bestmöglich auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten. Das beginnt damit, dass wir erklären, wie man Stelleninserate richtig liest und wie die Bewerbungsmappe aussehen sollte. Wir erarbeiten Wegweiser für das Bewerbungsgespräch und geben Tipps zur Gehaltsverhandlung.

Wer aktiv einen Job sucht, durchforstet dabei sowohl Online-Jobportale als auch die Karriereseiten in Printmedien. Worauf sollte man achten?

Georgina Bender: Das Angebot ist vor allem für Technikerinnen und Techniker meist sehr umfangreich. Um rascher ein wirklich passendes Stelleninserat zu finden, kann man bei der Onlinesuche Filter setzen, damit man nicht hunderte Angebote sichten muss. In den Printmedien unbedingt darauf achten, ob die Karriereseiten auf bestimmte Regionen spezialisiert sind oder auf einzelne Branchen sowie darauf, ob es Jobs für Studierende sind, nur ein Praktikum ist etc. Damit erspart man sich Zeit und mögliche Enttäuschungen.

Was tun, wenn man nicht exakt dem Anforderungsprofil in der Stellenausschreibung entspricht?

Georgina Bender: Meine Erfahrung mit Anforderungsprofilen ist, dass niemand zu 100 Prozent den Wünschen eines Unternehmens entspricht. Und das ist beruhigend zu wissen! Denn auch wenn Sie nicht alle Punkte einer Stellenanzeige abhaken können, dann ist dies noch kein Grund, sich nicht zu bewerben. Ein Tipp dazu ist, dass man sich zuerst die Muss- und Kann-Kriterien genau anschaut. „Notwendig“, „wir setzen voraus“, „wir erwarten“ sind Muss-Kriterien, Formulierungen wie „von Vorteil sind“, „wünschenswert wäre“ oder „idealerweise“ gehören zu den Kann-Kriterien. Stellt man bei seiner Analyse der Stellenausschreibung fest, dass man die Muss-Kriterien erfüllt und die wichtigsten Kann-Kriterien abdeckt, dann bin ich überzeugt davon, dass es sich jedenfalls lohnt, eine Bewerbungsmappe zusammenzustellen.

Was sollte alles in die Bewerbungsmappe und wie sollte man seine Unterlagen gestalten?

Georgina Bender: Wer etwas Zeit und Mühe in seine Bewerbungsmappe investiert, erweckt einen wesentlich besseren Eindruck bei einem potenziellen Arbeitgeber. Die Unterlagen sollten unbedingt vollständig und aktuell sein. In Bezug auf die Gestaltung und clevere Details orientieren sich Bewerberinnen und Bewerber am besten an folgenden Grundregeln:

Stay focused – behalte dein Ziel (die Einladung zu einem Bewer- bungsgespräch) vor Augen

Research – Was macht mich einzigartig und besonders geeignet für diesen Job?

Structure & Staging – die Bewer- bungsunterlagen gut gliedern, eine neutrale Schriftart verwen- den etc., das richtige Foto in Bezug auf Mimik und Outfit auswählen

Skills & Talents – Talente richtig verkaufen

CV – der Lebenslauf muss aktuell sein; Gestaltungsvorlagen dafür gibt es bei uns am TU Career Center

Wie gelingt das Bewerbungsgespräch mit dem potenziellen neuen Arbeitge- ber?

Georgina Bender: Zuerst einmal kann man sich über die Einladung zu einem Termin wirklich freuen und das als

ersten Erfolg im Bewerbungsprozess betrachten. Im persönlichen Gespräch gilt es dann, sein Gegenüber von sich und seinen Talenten zu überzeugen. Pünktlichkeit, ein gepflegtes Äußeres, höfliche Umgangsformen und im Gespräch authentisch bleiben sind bei diesem Termin ebenso wichtig wie etwa vorher das Stelleninserat nochmals zu lesen. Es kommt sicherlich gut an, wenn Bewerberinnen und Bewerber auch einige Fragen vorbereiten. Wir bieten verschiedene Workshops an: wir stellen beispielsweise Interviewsituationen nach, damit die Bewerberinnen und Bewerber mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein in die ungewohnte Situation des Bewerbungsgesprächs starten können.

Entwickelt sich das Bewerbungsgespräch gut, dann kommt auch die Frage nach dem Wunschgehalt. Darf man seine Vorstellungen tatsächlich äußern?

Georgina Bender: Man muss bei einem Bewerbungsgespräch auch über das Gehalt sprechen. Sowohl beim Berufseinstieg als auch beim Aufstieg in eine andere Position – die Gehaltsfrage sollte nicht umgangen werden! Und auch wenn man das Gefühl hat, dass die Gehaltsverhandlung eine Gratwanderung ist: Man sollte seinen „Wert“ richtig einschätzen und sich auch nicht unter Wert verkaufen.

Der gesamte Bewerbungsprozess klingt mühsam und langwierig?

Georgina Bender: Der Einstieg in den Bewerbungsprozess scheint nur so kompliziert und schwierig zu sein. Letztlich ist es allerdings so, dass man seine Bewerbungsmappe nicht bei jeder Stellenausschreibung komplett neu machen muss. Der Lebenslauf beispielsweise kann – einmal korrekt erstellt – laufend aktualisiert werden. Und wer einmal ein Bewerbungsgespräch geführt hat, nimmt die Erfahrungen einfach mit in ein nächstes Gespräch. Aus meiner Erfahrung ist es einfach wichtig, sich genau zu überlegen, wohin die Reise gehen soll. Und dann sollte man sich Schritt für Schritt vorbereiten.

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Wer Zeit und Mühe in seine Bewerbungsmappe investiert, erweckt einen besseren Eindruck bei einem potenziellen Arbeitgeber.

Georgina Bender, BA, Recruiting

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Man sollte die gesammelten Erfahrungen aus einem Bewerbungsgespräch mit in ein nächstes Gespräch nehmen und so dazulernen.

Mag. Stefan Hörcsöky, Marketing und Eventmanagement