Ärztinnen und Ärzte

gut versichert

Das Berufsbild des Arztes geht mit speziellen Risiken einher.

Gerhard Ulmer, Geschäftsführer der Ärzteservice Dienstleistung GmbH, im Gespräch über die Vielfalt von Ärzteversicherungen und warum die- se so wichtig sind.

Herr Ulmer, Sie sind Geschäftsführer der ÄrzteService GmbH, Österreichs führendem Experten für alle Ärzteversicherungen. Wozu brauchen Ärztinnen und Ärzte spezielle Versicherungen?

Ärztinnen und Ärzte haben aufgrund ihres Berufsbildes ganz spezielle Risiken, die aus ihrer beruflichen Tätigkeit erwachsen. Diese Risiken wiederum bedürfen einer speziellen Abdeckung in Form von Versicherungen, die optimal für diese Situation konzipiert wurden. Das einfachste Beispiel ist die gesetzlich verpflichtende Berufs- haftpflichtversicherung für freiberuflich tätige Ärztinnen und Ärzte, die im Ärzte- und Zahnärztegesetz festgelegt ist. Allein aus dieser gesetzlichen Vorgabe ergibt sich ein konkreter Abdeckungsbedarf. Darüber hinaus haben natürlich Ärztinnen und Ärzte immer wieder das Problem, dass sie aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit rechtlich belangt werden. In diesen Fällen ist die Absicherung durch eine Rechts- schutzversicherung notwendig, die auch insbesondere im Bereich des Strafrechts einen entsprechenden Versicherungsschutz gewährt. Die niedergelassene Ärztin be- ziehungsweise der niedergelassene Arzt hat eine Ordination, die je nach Fachgebiet mit mehr oder weniger teuren medizintechnischen Geräten ausgestattet ist. Eine Maschinenbruchversicherung bietet Schutz bei Schäden an den Geräten. Das Versi- cherungsportfolio geht bis hin zu einer Unfallversicherung mit einer speziellen Glie- dertaxe für Ärzte. Das Spektrum ist sehr groß.


Sie beherzen die individuellen Anliegen von Ärztinnen und Ärzten. Wie unterscheiden sich die Anliegen voneinander? Nehmen wir einmal einen Arzt in Ausbildung, einen Praxisgründer bzw. niedergelassenen Arzt und eine Ärztin in Anstellung.

Die Situationen sind grundverschieden. Zum Thema Haftpflicht: Viele Ärztinnen und Ärzte, zum Beispiele jene, die bei der Gemeinde Wien angestellt sind, befinden sich in einer angenehmen Situation. Ihnen wird ein Regressverzicht gewährt, das heißt, der Spitalsbetreiber, die Gemeinde Wien, verzichtet in diesem Fall von vornherein schon auf jede Regressierung bei der Ärztin oder beim Arzt, sollte ihr oder ihm ein Fehler unterlaufen. Andere Spitäler sind weniger großzügig, dort gibt es dann das sogenannte Dienstnehmerhaftungsprivileg, das Haftungserleichterungen für den Dienstnehmer beinhaltet, sodass der Dienstgeber nicht in voller Härte auf die Ärztin oder den Arzt zurückgreifen kann. Ich kann jedoch jeder Ärztin und jedem Arzt nur empfehlen, sich zu versichern, da zum Beispiel in einem Rechtsstreit die Interessen des Krankenhausbetreibers und der behandelnden Ärztin beziehungsweise des be- handelnden Arztes nicht ident sein müssen. Einer angestellten Ärztin oder einem angestellten Arzt, auch in Ausbildung, empfehle ich – genau wie der niedergelasse- nen Ärztin oder dem niedergelassenen Arzt – eine Rechtsschutzversicherung und privat initiierte Versicherungen, also eine Unfallversicherung und eine Berufsunfä- higkeitsversicherung, um die Existenz entsprechend abzusichern.


Sie bieten auch Versicherungen für Medizinstudentinnen und Medizinstudenten an. Welchen Schutz bieten diese?

Medizinstudierende und auszubildende Jung-ärztinnen und Jungärzte nehmen im Laufe ihrer Ausbildung an vielen Praktika teil. Wir haben immer wieder Anfragen von Studierenden, die eine sehr interessante Praktikumsmöglichkeit im Ausland haben. Besonders kritisch wird es dann, wenn der Praktikumsplatz im Bereich des anglika- nischen Rechts angesiedelt ist. Die Rechtssituation ist nämlich nicht nur eine ganz andere als in Österreich, es ist dort auch Standard, dass jeder, der an einer Ausbil- dung teilnimmt – auch wenn sie oder er gar nichts selbst tut, sondern nur Zuhörerin oder Zuseher ist –, eine entsprechende Haftpflichtversicherung nachweisen muss. Der Gedanke, dass alles, was man mit einer Versicherung absichern kann, auch durch eine Versicherung abgesichert sein muss, ist in diesen Ländern durch die Haf- tungsproblematik viel stärker verbreitet als bei uns. Wir stellen den Studierenden sehr gerne entsprechende Versicherungen gegen wirklich sehr geringe Prämien zur Verfügung, um die Ausbildung zu ermöglichen und die Studierenden entsprechend zu begleiten.

Die ärztliche Aufklärungspflicht ist einer der wesentlichen Eckpunkte im Rechtsverhältnis zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient. Im vergangenen Jahr ging eine Patientin bis zum Obersten Gerichtshof. Die Behauptung: Sie sei mangelhaft aufgeklärt worden. Welche Versicherung bietet der Ärztin/der Arzt in so einem Fall optimalen Schutz?

Konstruieren wir einmal folgenden Fall: Einem Arzt wird ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorgeworfen. Er hätte einen Patienten präoperativ nicht über die Gefah- ren einer Operation – bis hin zu einer möglichen letalen Folge – aufgeklärt. Wenn er den Patienten ohne Aufklärungsgespräch operiert, begeht er bereits den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung beziehungsweise sogar einer fahrlässigen Tötung, wenn die Operation tatsächlich letal ausgeht. Damit befinden wir uns im Strafrecht. Hier ist es ganz wichtig, dass man im Rahmen der Rechtsschutzversicherung bereits in der Vorerhebungsphase einen umfassenden Versicherungsschutz hat. Denn dann werden auch in der Vorerhebungsphase Anwaltskosten in voller Höhe durch den Versicherer bezahlt, ebenso Gutachten, mit denen man unter Umständen beweisen kann, dass es nicht so war, wie der Patient oder die Staatsanwaltschaft es behaup- ten – und es kommt möglicherweise erst gar nicht zu einem Strafverfahren. Wir erle- ben es in der Praxis immer wieder, dass sich Vorhaltungen der Staatsanwaltschaft auf Gutachten stützen, die zumindest diskussionswürdig sind und bei denen es sich empfiehlt, mit einer entsprechenden Rechtsschutzdeckung ein Gegengutachten er- stellen zu lassen. Ich habe auch schon Fälle von Operationen mit tödlichem Ausgang erlebt, die die Staatsanwaltschaft aufgrund von Gutachten zurückgelegt hat, einfach weil bewiesen werden konnte, dass die Ärztin oder der Arzt rechtmäßig gehandelt hatte – es war einfach ein tragischer, schicksalhafter Verlauf. Kommt es zu einem Gerichtsverfahren, stellt die Haftpflichtversicherung die Anwältin/den Anwalt bezie- hungsweise die Rechtsvertretung im Rahmen eines zivilrechtlichen Verfahrens. Über die Rechtsschutzversicherung kann die Ärztin oder der Arzt aber auch einen Spezia- listen aus einem speziellen Gebiet des Arztrechts wählen und mit diesem in die Ver- handlung gehen. Befinden wir uns in einem strafrechtlichen Verfahren, greift aus- schließlich die Rechtsschutzversicherung.

Gerhard Ulmer

Geschäftsführer der ÄrzteService GmbH

Foto: Holger Hött / fotografie.at