»Die eigenen Stärken

kennen und betonen«

Die Karriereperspektiven für Medizinerinnen und Mediziner abseits von Praxis und Klinik sind vielfältig, ein attraktives Arbeitsumfeld bietet etwa die Pharmaindustrie. Michaela Baumgartner von AstraZeneca weiß, welche Fähigkeiten von Medizinerinnen und Medizinern im Unternehmen besonders geschätzt werden,

und gibt im Gespräch Tipps für die richtige Bewerbung aus Sicht

einer HR-Expertin.

Frau Baumgartner, Sie arbeiten im Personalwesen des Pharmaunternehmens AstraZeneca. Gibt es eigentlich die perfekte Bewerbung?

Da stellt sich natürlich sofort die Frage: Was ist die perfekte Bewerbung? Was unter- scheidet perfekt von „gut genug, um zum Interview eingeladen zu werden“? Im Prin- zip geht es darum, dem Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, zu vermitteln, war- um man genau der oder die Richtige für die ausgeschriebene Stelle ist. Das ist der wesentliche Punkt: im Lebenslauf die Ausbildungen oder Erfahrungen zu betonen und hervorzuheben, die für die in der Anzeige beschriebenen Anforderungen rele- vant sind. Dies bedeutet, dass man den Lebenslauf immer ein wenig der jeweiligen Stelle anpassen sollte, nicht umschreiben oder Dinge erfinden, sondern die jeweils relevanten Schwerpunkte hervorheben. Ebenso ist es wichtig, im Anschreiben die Motivation für die Stelle und das Unternehmen auf den Punkt zu bringen. Sei es zu erklären, warum man wechseln möchte, oder etwa um zu erläutern, warum ein be- stimmter Job genau der richtige ist für den eigenen Berufseinstieg. Ein letzter wichti- ger Punkt ist sicherlich auch ein professionelles Bewerbungsfoto – hier geht es um den ersten Eindruck, den man erwecken möchte.


Welche Tipps halten Sie für Medizinerinnen und Mediziner bereit, die sich in einem Unternehmen bewerben möchten?

Medizinerinnen und Mediziner, die direkt nach dem Studium oder der Basisausbil- dung in die pharmazeutische Industrie oder ein anderes wirtschaftliches Unterneh- men einsteigen möchten, sollten sich sehr gut nach den Karriereoptionen und Rah- menbedingungen erkundigen. Während des Studiums und der Ausbildung bekommt man oft eine gute Vorstellung vom Ärzteberuf, die Vorstellungen über Positionen in anderen Branchen weichen jedoch häufig von der Realität ab. Wir würden empfeh- len, direkt mit Unternehmen, die man interessant findet, in Kontakt zu treten, nach Berufsbildern zu fragen und dazu konkrete Informationen einzuholen. Idealerweise tritt man direkt mit Personen in Kontakt, die den Job, an dem man interessiert ist, ausüben – diese Möglichkeit hat man beispielsweise bei Karrieremessen. Man kann jedoch auch über die Personalabteilung eines Unternehmens den Kontakt anfragen oder die sozialen Medien dafür nutzen. Wichtig ist, eine konkrete Vorstellung vom Arbeitsalltag zu bekommen, um feststellen zu können, ob dies eine Option für einen selbst ist. Der zweite Tipp ist, sich ganz intensiv mit den eigenen Stärken und Inter- essen zu beschäftigen. Für einen Job in der Pharmaindustrie sind neben dem medi- zinischen Fachwissen beispielsweise Interesse an wirtschaftlichen Themen, wissen- schaftliches Verständnis und die Fähigkeiten zur Aufarbei-tung von Daten die wich- tigsten fachlichen Voraussetzungen. Spaß am Präsentieren und Koordinieren sowie Teamfähigkeit und sehr gute Kommunikationsfähigkeiten sind auf der persönlichen Ebene sehr wichtig.


Und was sollten Bewerberinnen und Bewerber, die sich gezielt für eine Anstellung bei AstraZeneca interessieren, auf jeden Fall mitbringen?

Neben den soeben genannten Fähigkeiten ist spezifisches Fachwissen in einem un- serer drei Bereiche (Herz-Kreislauf-, Nieren- und Diabeteserkrankungen, Atemwegs- erkrankungen oder Onkologie) sicherlich ein großer Vorteil. Zudem ist Spaß am Er- folg ein ganz wesentlicher Punkt. Bei AstraZeneca herrscht ein sehr familiäres Klima – hier arbeiten Leute zusammen, die einfach Spaß daran haben, gemeinsam etwas zu erreichen, und den Erfolg dann auch gerne gemeinsam feiern. Wir haben flache Hierarchien, was es ermöglicht, viele eigene Ideen und Themen einzubringen – diese von anderen infrage stellen zu lassen und gemeinsam Dinge voranzutreiben –, das macht viel vom AstraZeneca-Spirit aus, und wir sind immer auf der Suche nach Mit- arbeiterinnen und Mitarbeitern, die diesen mitbringen. Aber was alle Kolleginnen und Kollegen am meisten auszeichnet, ist ein ganz starkes Bewusstsein, warum wir unsere Arbeit machen – es geht am Ende des Tages darum, den Patientinnen und Patienten zu helfen. Sich dies im Arbeitsalltag immer wieder bewusst zu machen und integer zu handeln ist nicht immer einfach, aber für uns alle von höchster Be- deutung. Und das Schöne ist, dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern tatsächlich gelebt wird. Darum legen wir auch im Recruiting viel Wert darauf, Men- schen mit einer ähnlichen Denkweise zu finden.


Wie viele Medizinerinnen und Mediziner arbeiten für AstraZeneca – und in welchen Bereichen?

Weltweit arbeiten zahlreiche Medizinerinnen und Mediziner bei AstraZeneca – in na- hezu allen Funktionen: in Forschung & Entwicklung, Produktion, aber auch im Mar- keting & Sales-Bereich. In Österreich sind wir ja eine reine Vertriebs- und Marketing- gesellschaft, hier sind Medizinerinnen und Mediziner aktuell im Medical-Team und in der Geschäftsleitung tätig.


Was schätzen Sie als Vertreterin eines Pharmaunternehmens an Medizinerinnen und Medizinern besonders?

Zum einen sind es natürlich die umfassende humanmedizinische Ausbildung und das entsprechende Fachwissen. Medizinerinnen und Mediziner bringen aber auch ein sehr gutes Verständnis für Patientinnen und Patienten sowie den Arztberuf mit. Sie wissen, auf welche Herausforderungen Ärztinnen und Ärzte tagtäglich treffen und welche Informationen für diese wichtig sind, um die Behandlung von Patientin- nen und Patienten wesentlich zu verbessern. Medizinerinnen und Mediziner im Pharmaunternehmen begegnen Medizinerinnen und Medizinern im Arztberuf auf Au- genhöhe, sie sprechen die gleiche Sprache und können partnerschaftlich an der Ver- besserung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten arbeiten.


Hat die Tätigkeit in einem Pharmaunternehmen Vorteile gegenüber einer Beschäftigung in einer Klinik beispielsweise?

Vorteile hat die Tätigkeit in einem Pharmaunternehmen tatsächlich so einige. Begin- nen wir mit den Arbeitszeiten und der damit verbundenen Work-Life-Balance. Dies ist sicherlich der größte Vorteil einer Beschäftigung in einem Pharmaunternehmen im Vergleich zur Klinik. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich ihre Arbeits- zeiten innerhalb eines Gleitzeitrahmens selbst einteilen, Einsätze am Wochenende, wie beispielsweise die Teilnahme an einem Kongress, werden ebenfalls selbst ge- plant und sind im Vergleich zum Arbeiten in der Klinik sehr selten der Fall. Weiters unterscheiden sich die Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Im Unternehmensumfeld arbeitet man strategisch und planerisch und gestaltet viele Bereiche der eigenen Arbeit selbst. Und darin liegt sicherlich auch ein großer Vorteil – man kann wissenschaftlich in die Tiefe oder in die Breite gehen, man ist für die Planung des Arbeitsalltags selbst zuständig, ist im Falle von AstraZeneca eingebun- den in ein globales Unternehmen mit vielfältigen Möglichkeiten und profitiert natür- lich auch von einem attraktiven Vergütungspaket.

Mag. Michaela

Baumgartner

Human Resources Business Partner

bei AstraZeneca

Foto: A. C. Schiffleitner