Kreative Köpfe

Mit ihrer App wollen Simon Kapl, Gregor Pich- ler, Philipp Bal- dauf und Philipp Jahoda für die op- timale Work-Life- Balance sorgen.

Foto: myAlfred

Ein Butler für alle

Ein längst überfälliges Familientreffen. Der Frauenabend, der schon lan- ge geplant ist. Der gemeinsame Trainingsplan, den man mit KollegInnen erstellen wollte. Meistens scheitern solche Vorhaben an der gleichen Sa- che: das passende Datum für alle Beteiligten zu finden. Ein Problem, das nun durch künstliche Intelligenz gelöst werden kann.

myAlfred heißt das kluge, virtuelle Köpfchen, das Gleichgewicht ins stressgeplagte Alltagsleben bringen soll. Der Kern der App ist die intelli- gente Terminfindung. Mithilfe von komplexen Mustern ermöglicht myAl- fred seinen Usern, Zeit für gemeinsame Vorhaben zu finden. „Unsere Visi- on ist es, den Leuten das zurückzugeben, was sie am meisten brauchen: Zeit!“, sagt Philipp Baldauf. Gemeinsam mit seinen drei Studienkollegen Gregor Pichler, Philipp Jahoda und Simon Kapl rief er myAlfred ins Leben.

Die Idee kam den vier Absolventen des Master-studiums Mobile Compu- ting im Zuge ihrer Abschlussarbeiten, „eine Phase, in der gemeinsame Zeit- findung auch sehr problematisch war“, so Baldauf. Dabei kann ihre App myAlfred nun aushelfen. Auch regelmäßige Planungen sind für den virtuel- len Helfer kein Problem: So können zum Beispiel monatliche Friseurtermi- ne oder Überprüfungstermine für Autoplaketten mit myAlfred geplant werden.

Erste große Lorbeeren konnte das Team beim SXSW Release It in Austin, Texas, ernten: Bei der renommierten Veranstaltung mit 230.000 Gästen aus 50 Ländern landeten die Entwickler aus Oberösterreich unter den zehn Finalisten. „Die Fachhochschule in Hagenberg bringt immer wieder Start-ups auf Weltniveau hervor“, freut sich Studiengangsleiter Christoph Schaffer, der bei myAlfred als fünfter Gründer mit an Bord ist.

Schlaue Brille

Der innovative Einsatz neuer Technologien spielt auch im Projekt Panda eine wichtige Rolle. Als Herzstück fungiert die HoloLens von Microsoft. Mit dieser Spezialbrille können Hologramme in die physische Realität transpa- rent eingeblendet und dadurch Teil der realen Welt werden. Unter dem Be- griff „Mixed Reality“ bekannt, entstehen so neue Welten mit völlig neuen Interaktionsmöglichkeiten.

Ein interdisziplinäres Projektteam bestehend aus Studierenden der bei- den Master Kommunikation, Wissen, Medien und Software Engineering ar- beitete gemeinsam mit vier ProfessorInnen im Auftrag der Firma TGW Lo- gistics Group GmbH daran, ServicetechnikerInnen während eines Einsatzes zu unterstützen. Der Auftraggeber ist ein führender Systemanbieter von automatisierten Logistik-lösungen und beliefert Kunden wie Amazon oder Zalando.

Bei Serviceeinsätzen in diesen Logistiksystemen soll in Zukunft die Holo- Lens-Brille zum Einsatz kommen, wie Werner Kurschl, Professor für Mo- derne Benutzerschnittstellen am Campus Hagenberg, erklärt: „Die von uns entwickelte App zeigt, wie Servicetechniker und -technikerinnen Maschi- nen sicherer und schneller warten können. Ermöglicht wird dies durch 3D- Modelle, Anleitungen und Wartungsinstruktionen, die in das Sichtfeld der Brille projiziert werden.“

Mirjam Augstein, Professorin für Personalisierte und Kollaborative Syste- me, ergänzt: „Vor Ort ermöglicht die HoloLens jederzeit Zugang zu allen technischen Informationen der Anlage und unterstützt die Zuschaltung von ExpertInnen und das alles mit dem Vorteil, jederzeit beide Hände frei für die Arbeit zu haben.“ Ein erster Testlauf mit 50 Personen hat gezeigt, dass die Arbeit so schneller und sicherer erledigt werden kann.


Überwachung auf der Straße

Dass Praktika nicht nur nützliches Wissen aus der Berufswelt vermitteln, sondern auch als Ideenstätte für bahnbrechende Innovationen dienen können, zeigt das Projekt TransAM. FH-Absolvent Gerhard Krempl – da- mals als Student im Master Embedded Systems Design bei der IntraSOL GmbH im Einsatz – machte sich daran, im Auftrag der Firma einen Sensor zu entwickeln, der energieunabhängig und drahtlos den Status und die Po- sition von Lkw-Reifen an eine externe Datenbank übertragen kann. Ziel: den immer häufiger werdenden Diebstahl dieser Reifen zu unterbinden.

„Aus der Grundidee wurde schnell mehr“, sagt Krempl, der bald seinen Studienkollegen Robert Kaliauer mit ins Boot holte. „Wir wollten ein Kom- plettsystem entwickeln, das Unternehmen mit unserer Hard- und Software ermöglicht, die Fahrzeuge zu überwachen und effektiver sowie kosten- günstiger zu koordinieren.“

Der heutige Prototyp besteht aus einer Business-Software, in der Aufträ- ge angelegt, Kundendaten gewartet und Transporte live mittels Sensoren am Fahrzeug überwacht werden können.

„Die Sensoren benötigen keine Verkabelung, so ist der Einbau einfach und günstig“, erklärt Kaliauer. Das Kernstück der Hardware bildet ein IoT- Gateway. Dieses sammelt die Daten der Sensoren und übermittelt sie an die Cloud.

„Abgerundet wird alles durch die App für die Fahrer“, so Krempl. Diese informiert über den Zustand der Ladung und liefert die effektivste Route zum Ziel. Kernkompetenz des von seiner FH und Akostart Oberösterreich unterstützten Projekts soll die Überwachung von Kühltransporten werden. Für die weitere Entwicklung und den Vertrieb wurde im Herbst das Unter- nehmen D3EIF gegründet.


Mobile Patientendaten

Wie vielfältig Projekte an der Fachhochschule in Hagenberg sein können, zeigt auch die Zusammenarbeit von Studierenden der Medizin- und Bioin- formatik mit der CAS Computer Anwendungs Systeme GmbH und der two- morrow dienstleistungs gmbh. Ziel des gemeinsamen Projekts ist eine Weblösung zur individuellen und benutzerspezifischen Befund- und Bild- anforderung, die Patientinnen und Patienten künftig das einfache Anfor- dern ihrer radiologischen Daten auf mobile Weise ermöglichen soll.

„Auf diesem Weg werden radiologische Bilder, Befunde und andere Da- ten in Zukunft per E-Mail gesendet oder auf einer CD versandt“, erklärt Barbara Traxler, Assistentin der Lehre für e-Health / Usability Engineering an der FH und Betreuerin des Projekts. Der Vorteil: Einerseits wird so un- nötiger Papierausdruck vermieden, andererseits gelangen Patientinnen und Patienten auch abseits von Ordinationszeiten schnell und flexibel an ihre Befunddaten, um diese etwa an den behandelnden Arzt weitergeben zu können.

Kundenzufriedenheit steht bei der Entwicklung der künftigen Schnittstel- le zwischen Radiologie und Patient an oberster Stelle: „Für die Software- Entwicklung haben wir deshalb derzeitige Ist-Prozesse vor Ort in der Ra- diologie sowie auch im Institut für CT- und MRT-Diagnostik am Schillerpark in Linz erhoben und evaluiert“, erklärt Traxler. Der Prototyp, der im Zuge des MR-CT-Symposiums in Pörtschach vorgestellt wurde, fand sowohl bei ExpertInnen der Radiologie als auch bei potenziellen KundInnen großen Anklang. Die dort erhaltenen Rückmeldungen werden in die Weiterent- wicklung des Projekts einfließen.

Kettenreaktion

Für den künstlerischen Animationsfilm ist das Department Digitale Medi- en am Campus Hagenberg über die nationalen Grenzen hinaus bekannt. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Animationsfilm „Utopia Now“. Er ist das Ergebnis eines herausfordernden Großgruppenprojekts, an dem 48 Studierende des Bachelor- studiengangs Medientechnik und -design ar- beiteten.

In Fachkreisen wird ein solcher Film „Chained Animation“ genannt, wie der betreuende Professor Jürgen Hagler erklärt: „Bei dieser Animations- form werden Einzelteile des späteren Films in Gruppen realisiert und schließlich wie die Glieder einer Kette zusammengefügt.“

Im Mittelpunkt steht ein entgleisender Dialog zwischen zwei Utopisten auf dem Weg, die Welt zu verbessern. Als Grundlage diente eine Ein- führung des Medien- künstlers und Projektpartners Samuel Bunn, dessen Diplomarbeit und aktuelle Arbeiten um dieses Thema kreisen. „Ziel war es, weltverbessernde Konzepte mittels Stopptrick-Animation umzusetzen. Diese durften auch gezielt utopisch sein und bewusst ins Absurde driften“, so Hagler.

Nach der Konzeptphase setzten zwölf Teams im Fotostudio der Fach- hochschule in Hagenberg ihre Sequenzen unter der Anleitung des freis- chaffenden Künstlers und FH-Absolventen Remo Rauscher um. Gemein- sam mit Bunn erarbeitete Rauscher den Text und finalisierte den Anima- tionsfilm. Premiere feierte dieser auf dem Crossing-Europe-Festival 2017 in Linz, bei dem er auch ins Rennen um den Local Artist Award ging.

Die HoloLens eröffnet neue Welten und Inter- aktionsformen – und erlaubt es so, Serviceein- sätze schneller und sicherer durchzuführen.

Fotos: FH OÖ

Zwölf Teams mit 48 Studierenden schufen gemein- sam mit freis- chaffenden Medi- enkünstlerInnen und ProfessorIn- nen der FH eine „Chained Anima- tion“.

Fotos: Remo Rauscher