Bereit, die Welt zu erobern? So startest du richtig durch!

Du hast eine tolle Idee und willst ein Unternehmen gründen? Gerold Weiß, der an der FH OÖ Start-ups berät und begleitet, gibt Tipps, wie du deinen Traum wahrmachen kannst.

Hagenberg gilt als erfolgreiche Start-up-Schmiede. Können Sie uns Zahlen nennen?

In den letzten zehn Jahren gab es dort knapp 60 durch die FH unterstützte Gründungen. Zumindest die ich kenne. Die „Dunkelziffer“ kann natürlich höher sein. Knapp ein Drittel ist derzeit noch am Markt erfolgreich tätig. Das ist, ver- glichen mit gesamtösterreichischen Werten, genau im Durchschnitt, jedoch eine sehr gute Bilanz.

Wie unterstützt die FH Studierende, Alumni und MitarbeiterInnen mit Gründungsideen?

Mit Know-how, Kontakten und Infrastruktur. Die FH OÖ bietet mit ihrem Trans- ferzentrum die erste Anlaufstelle für Start-ups mit einer Business-Idee. Hier wird ein grundlegender Check vollzogen, wie die Idee weiterverfolgt werden soll und welches Netzwerk das beste ist. Wir bieten Zugang zu sämtlichen För- derinstitutionen sowie Venture- Capital-Fonds in Österreich und auch zu einem großen Netz von Start-ups und weiteren Unterstützern.

Derzeit gibt es an der FH OÖ zwei Coworking-Spaces für unsere Start-ups: Das bytewerk in Hagenberg und den Workspace in Wels. Steyr ist in Planung. Diese Co-working-Spaces stehen allen Studierenden, Mitarbeiter-Innen und Absol- ventInnen mit Start-up-Ambitionen für zwei Jahre zur Verfügung. Und das zur Gänze kostenlos. Ohne Kleingedrucktes.

Zudem bieten wir mit akostart oö ein Netzwerk und einen weiteren Coworking- Space, der von den drei größten Hochschulen Oberösterreichs getragen wird: der FH OÖ, der Kepler-Uni und der Kunstuniversität. Auch die akostart-Leistun- gen können kostenlos genutzt werden. Das verstehen wir als „Förderung“ im eigentlichen Sinne, ohne dass wir finanzielle Mittel auszahlen.

Was bringt die Nähe des bytewerks für die FH?

Derzeit nutzen es zehn Personen. Der Hagenberger Coworking-Space im Mei- erhof ist sehr gut gelegen. Buchstäblich: Hörsaal raus, Coworking rein.

Die Nähe zu gleichgesinnten Studierenden, zur ÖH- Studierendenvertretung, zu ProfessorInnen und ForscherInnen, also schlicht zu einem Riesen-Know-how, ist ein Startvorteil für Start-ups. Auch die FH profitiert von diesem Austausch. Also, eine gelungene Symbiose.

Worauf sollte man in der Startphase besonders achten und welche Skills etc. mitbringen?

Hier unterscheidet sich die Theorie von der Praxis. In der Theorie schaut man zuerst auf seine Fähigkeiten, Talente und Interessengebiete, überprüft, ob ein Markt da ist (also potenzielle KundInnen), dann werden ein Business Model Canvas bzw. ein Pitchdeck und ein Business Plan erstellt und schließlich geht man auf den Markt.

In der Praxis hast du eine Idee, und los geht’s. Alles andere kommt danach. Beide Extreme sind nicht förderlich, ein Mittelding wäre ideal. Ich empfehle zu schauen, ob am Markt UserInnen sind, welche die Entwicklung benutzen und/oder am Ende des Tages dafür bezahlen. Denn irgendwann muss ich da- mit Geld verdienen.

Der zweite Rat, den ich jedem gebe: Schaut nicht nur auf den großen „Exit“, sprich: Idee – Investor – Verkauf. Das mag dort und da funktionieren, sollte bei der Ideengenerierung aber nicht an der Tagesordnung stehen.

Gibt es ein Erfolgsrezept?

„Das“ Erfolgsrezept gibt es nicht. Der Erfolg eines Unternehmens besteht aus vielen Komponenten, die zusammenwirken müssen. Der richtige Zeitpunkt, das richtige Team, die übermäßige Portion Fleiß, eine Top Marketing- und Ver- triebsarbeit und die kleine Portion Glück. Aber Glück stellt sich bei konsequen- ter und harter Arbeit durchaus auch von selbst ein, wenn man nur an seine Idee glaubt.

Die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Der Markt, das Team und das Wachstumskapital dahinter.

Was, wenn man scheitert?

Ergründen warum, daraus lernen, aufstehen und wieder probieren. Aber bitte: Die vielzitierte Scheiterkultur endet für mich, wenn jemand finanziellen Scha- den erleidet.

Ein abschließender Rat?

Geht konsequent euren Weg, aber seid nicht beratungsresistent und habt im- mer eure UserInnen im Auge. Denn sie sind es, die langfristiges Wachstum bringen – und nicht die Förderung oder die InvestorInnen.

Gerold Weiß, Leiter des FH OÖ Transferzentrums für Unter- nehmensgründung.

Fotos: iStock, cityfoto

Raus aus dem Hörsaal, rein in den Coworking-Space.

Foto: FH OÖ