Die App-Macher mit dem Wow-Wow-Faktor

Foto: tractive

Ob Hilfe bei der Haustiersuche, dem Spielen des Lieblingssongs oder der Versteuerung von KryptoCash: Mit ihren Ideen sind Hagenberger Alumni auf Erfolgskurs. Hier geben sie Insider-Tipps.

TRACTIVE

Wie entstand die Idee zum Start-up?

Michael Lettner: Irgendwie hatte ich schon immer im Hinterkopf, eines Tages „etwas Eigenes“ zu machen. Nach Studienabschluss und ein paar ersten Be- rufsjahren war das Timing dann perfekt dafür.

Die Idee entstand schließlich aus einer nervenaufreibenden Vierbeinersuche. Aufgrund des fundierten technischen Wissens – Michael Hurnaus war in den USA bei Microsoft und Amazon tätig – wurde schnell klar, dass am Markt an ein entsprechendes Produkt fehlte. Mit Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner, ebenfalls Mobile Computing Absolvent der FH OÖ, wurde schließlich die Idee eines GPS-Trackers für Hunde geboren.

Was war die bisher größte Herausforderung für euch?

Michael Hurnaus: Ein paar Herausforderungen gab es vor allem bei der Unter- nehmensgründung selbst. Leider ist das Aufsetzen einer GmbH in Österreich ein bürokratischer Hürdenlauf. Dabei wird viel Geld, Energie und Zeit vergeudet, die man zu diesem Zeitpunkt für die Produktentwicklung benötigen würde. Auf Produkt-ebene war die größte Herausforderung die Entwicklung der Hardware, da es kein vergleichbares Produkt dieser Größe gab.

Wer hat euch unterstützt?

Michael Lettner: Einerseits die vier RuntasticGründer, Business-Angel Hansi Hansmann und der französische Investor, Le Mans Fahrer Harold Primat und der CFO Wolfgang Reisinger, andererseits die Motivation und der Einsatz des nach und nach wachsenden internationalen Teams.

Schon früh hielten wir nach den besten „Matches“ Ausschau, was wir bis heute beibehalten haben.

Was sind eurer Meinung nach die drei wichtigsten Faktoren, um als Start-up langfristig Erfolg zu haben?

Diese Faktoren sind als Leitlinien in unseren „Core Values“ festgelegt:

- Put the customer first: Always see the business through their eyes.

-Take responsibility: Pro-actively help out your colleagues and lead by example.

-Be honest and transparent to customers as well as co-workers.

-Do more with less: Often there are easy ways to achieve more with less

-Be positive: Help create and foster a team environment you’d like to work in.

Welchen Rat würdet ihr allen mit Start-up-Ambitionen unbedingt mit auf den Weg geben?

Michael Tschernuth: Eine Idee allein zu haben reicht noch lange nicht, der erste Schritt ist der ausschlaggebende. Just do it! Das Wichtigste ist, möglichst schnell erste Prototypen zu entwickeln und Feedback von KundInnen einzuho- len. Wenn man dieses Feedback in das Produkt einarbeitet, wird es mit jeder Überarbeitung besser.

Außerdem darf man die Wichtigkeit eines guten Netzwerks nicht unterschät- zen. Dazu lernt man am besten auf diversen Networking-Events ExpertInnen kennen und findet heraus, ob die Idee realisierbar ist bzw. ob dafür ein Markt existiert. Sehr wichtig ist es dann, sich von kleinen Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

TRACTIVE

Gründungsjahr: 2012

Gründungsteam: Michael Hurnaus (CEO und Absolvent des Hagenberger Studien- gangs Digital Media), Michael Lettner (CTO Hardware & Services und Absolvent des Ha- genberger Studiengangs Mobile Computing) und Michael Tschernuth (CTO Mobile und ebenfalls Mobile Computing Absolvent).

Sitz: Pasching

Teamgröße aktuell: 70

Geschäftsidee/Produkt: GPS-Tracking für Haustiere. Mithilfe neuester Technologien entwickelt Tractive Pet- Wearables, Apps und Online Services für Haustierbesitzer und Tierliebhaber.

Foto: Tractive

OKTAV

Wie entstand die Idee zum Start-up?

David Kitzmüller: Toni und ich spielen beide Klavier und haben unter der müh- samen Suche nach guten Musiknoten gelitten. Deren Verfügbarkeit im Handel nimmt stetig ab, wir fanden auch keine einfach zu bedienenden, günstigen di- gitalen Lösungen. So entstand 2016 bei einer Klavierübung die Idee.

Wer hat euch unterstützt?

In Oberösterreich gibt es ein hervorragendes Ökosystem für Start-ups in der Anfangsphase. Zu Beginn waren es bei OKTAV der Pre-Seed-Accelerator byte- werk Hagenberg und eine Förderung der AWS (Austria Wirtschaftsservice). Später wechselten wir zum Inkubator tech2b in den Linzer Hafen und werden derzeit von der FFG (Forschungsförderungsgesellschaft) gefördert. Zudem ha- ben wir uns gut in das oberösterreichische Gründernetzwerk eingelebt und ha- ben dort viel Unterstützung erfahren.

Was war die bisher größte Herausforderung für euch?

Die Lizenzierung von Musiknoten. Die Plattform will MusikerInnen eine breite Auswahl über alle Genres hinweg bieten. Mittlerweile wurden dazu Partner- schaften mit internationalen Verlagen aus Großbritannien und Deutschland geschlossen, wodurch Noten der großen Major- Labels (Warner, Universal, Sony) angeboten werden können. Die Vorlaufzeit dafür war mit fast einem Jahr enorm und bedurfte viel Überzeugungsarbeit.

Was sind eurer Meinung nach die drei wichtigsten Faktoren, um als Start-up langfristig Erfolg zu haben?

Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen und Lockerheit im Umgang mit Heraus- forderungen. Hartnäckigkeit, weil eine Idee selten so viel Aufmerksamkeit be- kommt, dass daraus von Zauberhand ein Unternehmen entsteht. Durchhalte- vermögen, weil Erfolg nur möglich ist, wenn man nicht aufgibt. Und Lockerheit im Umgang mit Herausforderungen, weil das Start-up-Leben selten nach Plan verläuft und man flexibel mit veränderten Situationen umgehen muss.

Welchen Rat würdet ihr allen mit Start-up-Ambitionen unbedingt mit auf den Weg geben?

Machen! Die besten Ideen scheitern, weil sie nie realisiert wurden. Die Grün- dung eines Unternehmens liegt fernab jeder Komfortzone. Dort „draußen“ war- ten aber nicht nur Schweiß und Abenteuer, sondern auch eine gehörige Porti- on Zufriedenheit.

OKTAV

Gründungsjahr: 2017

Gründungsteam: David Kitzmüller (rechts im Bild, CEO), Absolvent des Studi- engangs Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten und Toni Luong (links im Bild, CTO), Absolvent des Studiengangs Medizin- und Bioinfor- matik am FH OÖ Campus Hagenberg.

Teamgröße aktuell: 5

Geschäftsidee/Produkt: OKTAV ist eine smarte Musiknoten-Plattform für AmateurmusikerInnen mit Fokus auf Klavier. Durch eine Kombi von Abonne- ment und Personalisierung will das Start-up erreichen, was Spotify für Audio und Netflix für Film etabliert haben. Das Abo ermöglicht unlimitierten digitalen Zugang zu Musikstücken. Durch das innovative Empfehlungssystem gehört die Notensuche der Vergangenheit an.

Foto: Oktav

FRETELLO

Wie entstand die Idee zum Start-up?

Florian Lettner: Bereits im Studium (2011) hatte ich die Idee, Menschen, die wie ich keinen Zugang zu einer Musikschule haben, durch Tools bei der Aus- wahl geeigneter Übungen und der Strukturierung des Trainings beim Gitarre- lernen effizient zu unterstützen.

Wer hat euch unterstützt?

Zum einen Unterstützer wie Daniel Cronin, die uns beim Shift vom gut laufen- den B2B Unternehmen zu einem B2C-Start-up unter-stützt haben. Finanzielle Unterstützung kam dann vor allem von der Forschungsförderungsgesell- schaft FFG, Hilfe bei der Entwicklung der Technologie kam von der FH in Ha- genberg sowie vom Österreichischen Institut für künstliche Intelligenz und Dr. Gerhard Widmer an der Kepler-Uni.

Was war die bisher größte Herausforderung für euch?

Eine der größten für uns ist es, qualifiziertes Personal zu finden. Wir würden uns mehr BewerberInnen aus Österreich bzw. AbsolventInnen der FH wün- schen. Sehr viele gute Leute zieht es zu Unternehmen und Start-ups ins Aus- land, dabei übersehen oft viele, was wir in Österreich zu bieten haben.

Was sind eurer Meinung nach die drei wichtigsten Faktoren um als Start-up langfristig Erfolg zu haben?

1) Ein gutes Team ist unabhängig vom Produkt Grundvoraussetzung für den Erfolg.

2) Ein Produkt, das ein Problem löst und für die NutzerInnen ein Pain-Killer, kein Vitamin ist.

3) Ein funktionierendes Netzwerk aus Mentoren und Unterstützern, die offen und ehrlich Feedback geben und ihre Erfahrung teilen.

Welchen Rat würdet ihr allen mit Start-up-Ambitionen unbedingt mit auf den Weg geben?

Alles kritisch zu beachten, kein „Bullshitting“, wenn es um Nutzungszahlen, Fi- nanzen oder Sonstiges geht. Nur wenn man sich den harten Fakten stellt, kann man lange genug überleben, um erfolgreich zu sein.

FRETELLO

Gründungsjahr: 2014 als App-Agentur namens Pocket Lifestyle IT-Solutions GmbH, seit 2016 Arbeit an Fretello

Gründungsteam: Wolfgang Damm (rechts im Bild), Florian Lettner (links im Bild), beide Mobile Computing Absolventen der FH in Hagenberg

Sitz: Linz

Teamgröße aktuell: 13 Personen aus Ländern wie der Türkei, Spanien, Großbritan- nien, Brasilien, Österreich

Geschäftsidee/Produkt: Fretello bringt Menschen Gitarre spielen bei. Wir entwi- ckeln Apps, die die MusikerInnen mit individuellen, personalisierten Trainingsplänen versorgen und mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) beim Üben mit dem Smart- phone zuhören, analysieren und Feedback geben. Die KI nimmt ähnlich wie Gitar- renlehrerInnen Anpassungen des Schwierigkeitsgrads vor, steigert oder verringert das Übungstempo und tauscht Übungen bei Bedarf aus.

In Kürze werden MusikerInnen zusätzlich in der Lage sein, ihre Lieblingssongs an- hand einer wissenschaftlichen Trainingsmethode gezielt zu erlernen.

Foto: Fretello /  Lukas Beck

BLOCKPIT

Wie entstand die Idee zum Start-Up?

Florian Wimmer: Bei einem Treffen mit Ex-Kollegen aus meiner Zeit bei Wirt- schaftsprüfer und Steuerberater KPMG, bei dem klar wurde, dass wir als akti- ve Krypto-Trader alle das gleich Problem teilen und es keine Lösung für einfa- che Steuererklärungen im Bereich Kryptowährungen gibt. Dann holte ich Ma- thias ins Boot.

Wer hat euch unterstützt?

Die Wirtschaftskammer, KPMG und Jürgen Höbarth von tokenization.limited.

Was war die bisher größte Herausforderung für euch?

Die Suche nach geeignetem Personal ebenso wie die Finanzierung bezie- hungsweise die Investor-Relations, die aufgrund des volatilen Charakters des Krypto-Marktes sehr schwierig waren.

Was sind eurer Meinung nach die drei wichtigsten Faktoren um als Start-up langfristig Erfolg zu haben?

Florian: Ein klares Ziel, motivierte MitarbeiterInnen und die richtigen Partner.

Mathias Maier: Kurz- und langfristige Ziele, die man immer vor Augen haben sollte, externes Feedback, um einen Tunnelblick zu vermeiden, und von Anfang an weiter denken, wenn es z. B. um die Auswahl von Technologien geht.

Welchen Rat würdet ihr allen mit Start-up-Ambitionen unbedingt mit auf den Weg geben?

Florian Wimmer: Hinterfrage alles, wähle deine Wegbegleiter sehr sorgfältig aus, und höre auf dein Bauchgefühl.

Mathias Maier: Auch wenn man mal unter Druck steht, sollte man auf keinen Fall überstürzt handeln.

BLOCKPIT

Gründungsjahr: 2017

Gründungsteam: Mathias Maier (im Bild vorn 4. v. l., Absolvent des Hagenberger Studiengangs Medientech- nik und -design, studiert dort derzeit Interactive Media) und Florian Wimmer (im Bild vorn, 3. v. r., ebenfalls Ab- solvent von Medientechnik und -design)

Sitz: Hagenberg

Teamgröße aktuell: 17

Geschäftsidee/Produkt: Blockpit bietet behördlich an- erkannte Steuerberichte für Kryptowährungen und Portfolio-Monitoring in Echtzeit als Web- und mobile App. Ziel ist es, den Standard für Krypto-Steuerre- porting zu setzen.

Foto: Blockpit