Wenn der Job

ins Ausland führt

Michael Brandstötter arbeitet bereits seit sechs Jahren in Asien. Foto: privat

International arbeiten heißt auch in einem anderen Land zu leben und sich mit anderen Kulturen und Sprachen aus-einander zu setzen. Wie gut sie ihr Studi- um an der FH OÖ Fakultät für Management darauf vorbereitet hat und wie sich dieses Abenteuer gestal- tet, erzählen zwei Absolventen.

Für Michael Brandstötter ist seine Arbeit fern der Heimat kein kurzes Intermez- zo: „In Österreich befinden sich meine Wurzeln, meine berufliche Heimat je- doch ist das Ausland“, bringt er es auf den Punkt. Seit sechs Jahren arbeitet der 31-Jährige nun bereits in Asien. Ab Jänner ist er dann als Managing Direc- tor einer Niederlassung der Firma Hitzinger in Singapur tätig und als solcher für Vertrieb, Service, After-Sales, Projektmanagement von Sondermaschinen und Anlagen in der Branche der individuellen Stromversorgung verantwortlich. „Nach jahrelangem Pendeln zwischen Österreich und Asien bot sich mir die Chance, für eine österreichische Firma ins Ausland zu übersiedeln. Das ermög- licht es mir, nicht nur in die Kultur einzutauchen, sondern auch länger vor Ort zu leben – gemeinsam mit meiner Frau“, begründet er die Entscheidung. Dass es zudem Singapur ist, hat es zusätzlich leichtgemacht, meint er: „Singapur be- findet sich in Asien definitiv unter den lebenswertesten Städten und bietet die Chance, viele Kulturen an einem Ort zu entdecken.“


Man wächst an Herausforderungen

Der Wunsch im Ausland zu arbeiten war mitentscheidend, warum sich Brands- tötter für das Studium Global Sales and Marketing an der FH OÖ Campus Steyr entschieden hat: „Es werden einem sehr viele Möglichkeiten geboten, sich auf das internationale Umfeld vorzubereiten. Es obliegt aber jedem Einzel- nen, wie engagiert und mit welcher Begeisterung man diese Chance ergreift und in späterer Folge nutzt“. Brandstötter etwa hat speziell die Möglichkeit des Erasmus-Netzwerks genutzt, um engen Kontakt mit Austauschstudierenden zu pflegen, sein Netzwerk zu erweitern und verschiedenste Kulturen kennen- zulernen.

Dennoch kann man sich nicht auf alles vorbereiten, vieles lernt man erst vor Ort. „Man steht vor verschiedensten Herausforderungen, bei denen man gefor- dert ist, anders zu reagieren, als man es gewohnt ist, und man lernt dabei, über sich hinauszuwachsen. Mit diesen Erfahrungen wächst die Persönlichkeit, und man wird automatisch flexibler und lernt, lösungsorientierter bzw. effizienter zu arbeiten“, so Brandstötter.


Einmal Ausland, immer Ausland?

Diesen Herausforderungen stellt er sich jetzt mal für die nächsten vier Jahre – mit einem optionalen Verlängerungsjahr. Und dann stehen vielleicht andere Orte zur Wahl: „Da wir als Unternehmen kontinuierlich wachsen wollen, gibt es viele weitere Städte in Asien, die potenzielle Niederlassungen wären“, meint Mi- chael Brandstötter. Und die weitere Zukunft? „Ich bin der Meinung, wer einmal im Ausland gearbeitet und gelebt hat, wird es schwierig haben, komplett loszu- lassen. In einem Punkt bin ich mir jedoch sicher – irgendwann werde ich ins wunderschöne Österreich zurückkehren.“

Von Perg in Oberösterreich bis ins texanische Corpus Christi in den USA hat es Rudolf Hofer verschlagen. Seit November 2016 ist er bei der Firma voestal- pine Texas LLC in Corpus Christi beschäftigt. Seit Mai ist er nun Head of Logis- tics und für die Kurz- und Mittelfristplanung sowie die Steuerung der eingehen- den Rohmaterialien und die Versandabwicklung des Fertigproduktes verant- wortlich

Unterhaltungen in Landessprache

Auch Hofer wollte immer schon im Ausland arbeiten, die Vereinigten Staaten waren seine erste Wahl. „Mir ist es wichtig, dass ich mich mit der Bevölkerung ohne größere Schwierigkeiten in deren Landessprache unterhalten kann. Abge- sehen davon bin ich auch ein großer USA-Fan“, erzählt der 31-Jährige. Als Vor- bereitung war das FH-Studium Internationales Logistikmanagement mehr als hilfreich, betont Hofer: „Während des Studiums lernte ich über die verschiede- nen Kulturen, vertiefte mein Logistikmanagementwissen und fügte zu meiner beruflichen Erfahrung einiges an theoretischem Wissen hinzu. Ich profitiere täglich von den gelehrten Inhalten der Fachhochschule.“

Internationale Kontakte

Auch die Englischkurse, die von Native Speakern abgehalten wurden, waren ein gutes Training – und dennoch gibt es am internationalen Arbeitsplatz noch viel zu lernen. Etwa in puncto Kultur und Dialekt. Treffen doch in South Texas zwei große Kulturen, die amerikanische und die hispanische (ca. 50 Prozent der Bevölkerung in Corpus Christi) aufeinander. Hofer: „Somit hört man vieler- orts Englisch, Spanisch und Englisch mit starkem spanischem Akzent. Die Kul- tur zu verstehen dauert dabei allerdings etwas länger als die Sprache. Doch ich habe gelernt, dass man mit Respekt und offener Kommunikation Missver- ständnisse vorbeugen kann.“

Dabei ist vor allem die Kontaktaufnahme mit den Amerikanern leicht, betont der Oberösterreicher: „Durch die offene und sehr freundliche Art der Amerika- ner fällt es mir leicht, mit Leuten ein Gespräch zu beginnen. Ich habe ein gutes Arbeitsklima mit meinen ArbeitskollegInnen und konnte durch das Arbeiten in den USA bereits viele internationale Kontakte knüpfen.“

Bis 2020 bleibt Rudolf Hofer noch in den USA: „Auch wenn die Zeit im Aus- land sehr interessant und spannend ist, freue ich mich wieder auf Österreich, auf zu Hause. Aktuell sind keine Auslandsaufenthalte geplant, aber wer weiß, was die Zukunft bringt.“

Rudolf Hofer wollte immer schon im Ausland arbeiten, die USA waren sein Traum.

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Rudolf Hofer hat es in die USA gezogen: Seit November 2016 ist er bei der Firma voestalpine Texas LLC beschäftigt und lebt und arbeitet im texanischen Corpus Christi.

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Michael Brand- stötter ist jahrelang zwischen Österreich und Asien gependelt – etwa zu ei- nem Kunden in China. Ab Jänner arbeitet er fix in Singapur.

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