So klappt es mit der Karriere

eMagnetix Geschäftsführung Klaus Hochreiter und Thomas Fleischanderl Foto: eMagnetix

Wie wird eine Bewerbung erfolgreich, und was erwarten sich Perso- nalverantwortliche? Klaus Hochreiter, Geschäftsführer von eMagne- tix, und DI Johann Reif, Geschäftsführer der ZF Steyr Präzisions- technik GmbH, verraten, worauf sie bei Bewerbern Wert legen.

Den Lebenslauf brav chronologisch anordnen, mit ein paar ansprechenden Hobbys garnieren und dann ab damit zur Wunschfirma – so einfach läuft es leider nicht. Immer mehr Firmen haben auch abseits der beruflichen Qualifika- tion Ansprüche an die BewerberInnen – etwa wie sich diese ins Team integrie- ren können – und testen das auf ihre Art und Weise.


Soziale und fachliche Komponente zählt

So hat beispielsweise die Online-Marketing-Agentur eMagnetix einen dreistufi- gen Einstellungsprozess. „Das erste Gespräch mit dem Bewerber findet – eher unorthodox – im Rahmen eines halbstündigen Spaziergangs statt“, erklärt Klaus Hochreiter, einer der beiden Geschäftsführer. In diesen 30 Minuten darf der Kandidat oder die Kandidatin über sich erzählen und sich präsentieren. „Dabei geht es uns nicht nur ums rein Fachliche, da wir in unserem Bereich oh- nehin einiges selber an Ausbildungsarbeit leisten, sondern vielmehr darum, wer die Person ist “, so Hochreiter. Erst bei einem zweiten Treffen geht es nun ans Praktische – Aufgaben werden gestellt, um zu sehen, was der- oder dieje- nige kann. „Aber natürlich ist diese Phase auch für den Bewerber selbst wich- tig, kann er doch sehen, was da auf ihn zukommt. Ich finde es wichtig, das von vornherein für beide Seiten klarzustellen“, betont der Personalleiter des innova- tiven oberösterreichischen Unternehmens, das kürzlich die 30-Stunden-Ar- beitswoche eingeführt hat. Wird auch diese Runde bestanden, geht’s in Phase drei – das Mitarbeitergespräch, in dem ganz ohne Chefs besprochen werden kann, wie es am Arbeitsplatz in spe wirklich abläuft. Hochreiter: „Für uns ist eben die menschliche und soziale Komponente ebenso entscheidend wie die fachliche.“

Auch wenn man sich auf diese nicht richtig vorbreiten kann, hat der eMagne- tix-Geschäftsführer doch einige Tipps für mögliche KandidatInnen in petto: „Gut ist zu wissen, wohin man will – Ziele zu haben, egal ob beruflich oder pri- vat. Und authentisch zu sein.“ Für das Erstgespräch sollte man sich Gedanken machen: Was möchte ich denn eigentlich, dass die Firma über mich erfährt – und wie präsentiere ich das am besten? Weniger Wert legt Hochreiter auf das passende Outfit. „Manchmal schaut jemand vielleicht nicht so aus, es steckt aber etwas ganz Tolles dahinter. Mein Prinzip ist, dass jeder, der will, eine Chance auf ein erstes Gespräch verdient hat.“


Vorbereitung auf die Messe ist ein Muss

Gut vorbereitet geht man in ein Bewerbungsgespräch natürlich mit genügend Info über das Unternehmen. „Aber das sollte heutzutage ohnehin selbstver- ständlich sein“, meint Hochreiter. eMagnetix etwa ist ein Start-up, das inner- halb von zehn Jahren nicht nur auf 22 Mitarbeiter angewachsen ist, sondern auch abseits des Standorts Bad Leonfelden nach Graz expandiert hat und sich nun ab Jänner 2019 auch mit einem Standort in Linz weiter vergrößert. Hierfür werden etwa konkret Mitarbeiter gesucht – zum Beispiel auf der Karrieremes- se. Hochreiter: „Schließlich gehören die Studenten der FH Steyr zu unserer pri- mären Zielgruppe.“

Sich vorab zu informieren ist auch das Muss für DI Johann Reif, Geschäfts- führer der ZF Steyr Präzisionstechnik GmbH: „Die Studierenden sollten wissen, welche Firmen vertreten sind und welche davon sie besuchen wollen. Aber auch mit welcher Absicht sie den Kontakt suchen. Also ob es etwa ein potenzi- eller Arbeitgeber ist oder eine Option für einen Praktikumsplatz.“


Wer ein Ziel hat, punktet

Geht es in späterer Folge um ein Bewerbungsgespräch, bleiben vor allem jene KandidatInnen in Erinnerung, die glaubwürdig ihre Stärken und Erfolge schil- dern können. „Superlative und Übertreibungen wirken eher negativ“, betont Reif. Punkten können hingegen jene Bewer- berInnen, deren Laufbahn nach ei- ner zielgerichteten beruflichen Orientierung aussieht. „Wenn Studium, Prakti- kum und Ferialarbeiten alle in eine Richtung weisen, sieht man, dass man da jemand mit einem gewissen Ziel vor sich hat“, so der ZF-Steyr-Geschäftsfüh- rer. Eine fachspezifische Lehre und ein anschließendes Studium bringen noch spezielle Bonuspunkte. Reif: „Das sind Bewerber, die schon eine gewisse Le- benserfahrung mitbringen, offensichtlich etwas aus ihrem Leben machen wol- len und auch schon einiges von der Produktion verstehen – ein Vorteil bei ei- nem klassischen Produktionsbetrieb wie unserem.“ Für all jene, die noch neben dem Job ihr Masterstudium absolvieren wollen, gibt es deshalb auch die Mög- lichkeit, nur 15 bis 20 Stunden zu arbeiten und damit begleitend zum Studium weitere Praxiserfahrung sammeln zu können.


Ein Gespür für die Situation

Das typische Bewerbungsoutfit Anzug mit Krawatte oder Kostüm ist auch für Johann Reif keine Voraussetzung, aber die typische Hörsaalkleidung wie Jeans und T-Shirt sollte es nicht gerade sein. „Man sollte schon spüren kön- nen, dass dieser Bewerbungstag ein besonderer ist. Schließlich geht es auch darum zu sehen, ob der Kandidat ein Gespür dafür hat, wie man in bestimmten Situationen auftreten sollte. Das wird er ja beruflich auch hin und wieder müs- sen“, so der Geschäftsführer. Denn Möglichkeiten für die berufliche Weiterent- wicklung gibt es viele beim Unternehmen, das 230 Standorte in 40 Ländern hat. Reif: „Am Produktionsstandort Steyr arbeiten rund 550 Mitarbeiter. Hier hat man schnell die Chance, Prozesse zu erlernen und auch aufzusteigen. Wer Interesse daran hat, kann sich dann nach einigen Jahren im Konzern bewegen und international arbeiten – das ist eine tolle Möglichkeit.“ Ein weiteres Ange- bote für interessierte Studierende ist ein 15 Monate dauerndes ZF-Global- Traineeprogramm auf Konzernebene. Reif: „Wir freuen uns auf der Karriere- messe mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten in Kontakt zu kom- men.“

DI Johann Reif, Geschäftsfüh- rer der ZF Steyr Präzisions- technik GmbH

Foto: ZF