Österreichische Franchiseszene wächst weiter

Franchising ist jung, dynamisch – und wird immer beliebter

Die Zahlen könnten nicht eindeutiger sein: Die öster- reichische Franchiseszene befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Höhere Umsätze sowie zufriedene und erfolgreiche Franchisepartner und -systeme sind die positiven Folgen dieser Entwicklung.

Sie blüht, die Franchiseszene. Aus dem anfangs kleinen Wirtschaftskeimling ist ein junger, dynamischer Spross geworden. Dass die Szene so kreativ, wandelbar und zukunftsfit ist, hat vor allem einen Grund, weiß Barbara Rolinek, Generalse- kretärin des Österreichischen Franchise-Verbands (ÖFV). „80 Prozent der Systeme gibt es erst seit dem Jahr 2000 oder später auf dem österreichischen Markt. Zwei Drittel aller Systeme in Österreich befinden sich daher gerade in einer Aufbau- und Expansionsphase, nur 14 Prozent sehen sich in einer Reifephase, und gerade einmal neun Prozent konsolidieren. Die Zeichen stehen ganz auf dynamische Entwicklung, das merkt man der Szene einfach an.“ Bestätigt wurden die Progno- sen durch die aktuelle Studie zur Franchise-Landschaft in Österreich, die der Ös- terreichische Franchise-Verband gemeinsam mit der WKO/Gründerservice, umge- setzt von der Privatuniversität Schloss Seeburg, herausgegeben hat.


Eine österreichische Spezialität

440 Systeme und circa 1.400 Franchise-Standorte befinden sich heute in Österreich. Der geschätzte Netto-Umsatz belief sich im Jahr 2016 auf beachtli- chen 9,3 Milliarden Euro. Und es ist zum Glück kein Ende dieser positiven Entwicklung in Sicht, ganz im Gegenteil: Die kommenden Jahre verheißen sowohl für Franchisegeber als auch -partner rosige Aussich- ten, denn 76 Prozent der Systeme erwarten in den nächsten zwei Jahren ein weiteres Umsatzwachstum, und 86 Prozent planen die Aufnahme neuer Fran- chisepartner in Österreich. „Dass Österreich allge- mein eine bedeutende Rolle fürs Franchising spielt, ist für viele vielleicht überraschend“, erzählt Andreas Haider, Präsident des ÖFV und Geschäftsführer von Unimarkt. „Doch Franchising ist eine Spezialität unse- res Landes: 60 Prozent der aktiven Systeme wurden bei uns gegründet.“ Sieht man sich ein durchschnitt- liches österreichisches Franchisesystem an, so kommt man auf die Kennzahlen 25 – 18 – 25: Es hat 25 Standorte, 18 Franchisepartner und 25 Prozent da- von sind weiblich. Dass Frauen in der Franchisewirt- schaft eine überdurchschnittlich bedeutende Rolle spielen, macht ein Blick auf die Mitarbeiter und Füh- rungskräfte deutlich, die signifikant über dem Anteil in der Gesamtwirtschaft liegen.

Ein wichtiger Hebel für Wachstum ist – neben der Gewinnung neuer Franchisepartner – das sogenannte Multi-Unit-Franchising, also das Gründen neuer Standorte. „Mehr als die Hälfte der Franchisenehmer in Österreich hat mehr als einen Standort, was eine Win-win-Situation für Franchisesystem wie -partner

gleichermaßen bedeutet“, so Andreas Haider. „Denn wächst der Partner, wächst das Franchisesystem – und mit ihm die Wege zu Expansion und Erfolg.“ Der Ein- stieg in ein Franchisesystem kostet natürlich Geld, die durchschnittliche Investiti- onssumme für einen Franchisepartner beträgt zum Start knapp über 120.000 Euro, die Einstiegsgebühr im Schnitt 12.869 Euro. Laufende Gebühren kommen hinzu, die sich aus einer monatlich fixen Franchisegebühr (im Schnitt 515 Euro), einer umsatzabhängigen Zahlung (im Schnitt zehn Prozent des Umsatzes) sowie einer umsatzabhängigen Umlage für Werbung, IT und sonstige Leistungen der Franchisezentrale beläuft.


Hauptmotivation: eigener Chef sein

Als wichtigste Motivation für die Selbstständigkeit nennen die für die Studie Befragten die Unabhängigkeit. „Der eigene Chef zu sein, mehr Freude an der Ar- beit sowie neue Herausforderungen zu finden und eigene Ideen zu verwirklichen, das ist es, was Franchisepartner suchen und in den einzelnen Franchisesystemen finden“, bringt es Mag. Elisabeth Zehetner-Piewald von der WKO auf den Punkt. „Ein erprobtes Konzept, eine bekannte Marke, dadurch wenige Unsicherheiten – einfacher geht es kaum!“ Über drei Viertel der Franchisenehmer erfüllen sich ih- ren Wunsch der Selbstständigkeit aus dem Angestelltenverhältnis heraus, ein knappes Viertel war vor dem Einstieg ins Franchising bereits selbstständig tätig. Vor der Gründung verfügt der durchschnittliche Franchisepartner übrigens über beachtliche 20 Jahre Berufs- und 14 Jahre Branchenerfahrung. Wohlüberlegt, mit dem entsprechenden Know-how ausgestattet und gut informiert starten die meisten in die Selbstständigkeit. So erklärt sich auch die beachtliche Zahl von 93 Prozent der Franchisenehmer, die sich wieder für eine Tätigkeit im selben System entscheiden würden.

Foto: ÖFV

Andreas Haider,

Präsident des ÖFV und Ge- schäftsführer von Unimarkt