Kunststoff – Wertstoff mit Zukunft

Greiner über die Vorteile von Kunststoff, fehlende Abfallwirtschaftssysteme und die Chancen der Kreislaufwirtschaft

Der universelle Einsatz von Kunststoffen und die steigende Menge an Plastikmüll sind heiße Themen und in den letzten Monaten stark in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt.

Kunststoff und Nachhaltigkeit scheinen auf den ersten Blick un- vereinbar zu sein. Bei genauer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild. Im Vergleich zu anderen Werkstoffen punkten Kunststoffe mit einigen Vorteilen: Sie sind leicht, schützen Produk- te wie Lebensmittel in idealer Weise, besitzen eine gute Ökobilanz, sind preiswert und nahezu unverwüstlich. Letzteres ist Fluch und Segen gleichermaßen, und so ist das drängendste Problem nicht der Gebrauch von Kunststoff, sondern der achtlose Umgang mit dem Werkstoff sowie vor allem fehlende Recycling-Kreisläufe. Wird die Ökobilanz verschiedener Materialien betrachtet, so ist jene von Kunststoff weitaus positiver als jene von beispielsweise Glas oder Aluminium – vorausgesetzt das Produkt landet nach sei- ner Verwendung im Abfalleimer und wird im besten Fall recycelt.

Bei der Abfallwirtschaft drückt der Schuh

Der moderne Lifestyle und die Convenience-Gesellschaft führten in den letzten Jahrzehnten zu einem exponentiellen Anstieg der weltweiten Plastikproduktion: Einer 2017 im Magazin „Science Ad- vances“ veröffentlichten Studie der Autoren Geyer, Jambeck und Law zufolge stieg die Produktion von Plastikharz und -fasern von rund zwei Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf 380 Millionen Ton- nen im Jahr 2015. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 8,4 Prozent, dem 2,5-Fachen der jährlichen Wachstumsrate des globalen Bruttoinlandsprodukts im gleichen Zeitraum. Zwi- schen 1950 und 2015 wurden insgesamt sagenhafte 7800 Millionen Tonnen Plastik produziert – die Hälfte davon, 3900 Millionen Ton- nen – in den letzten 13 Jahren des Untersuchungszeitraums. Nicht einhergegangen mit dieser rasanten Entwicklung ist die Etablie- rung entsprechender Abfallwirtschafts- und Recyclingsysteme – insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens und Afrikas. Gerade einmal zehn Flusssysteme sind laut einer Stu- die des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung für rund 90 Prozent des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich, die Länder China, Indonesien, Philippinen, Vietnam und Sri Lanka aufgrund fehlender Abfallentsorgung für die Hälfte des weltwei- ten Plastikmülls. Doch auch in Europa, mit jährlich mehr als 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen, besteht Handlungsbedarf. Viele Länder haben das Problem erkannt, und auch die Politik re- agiert. Nachdem beispielsweise die Europäische Kommission An- fang des Jahres eine eigene EU-Kunststoffstrategie präsentiert hat, legte sie Ende Mai mit dem Vorschlag zum Verbot von Einwegpro- dukten aus Kunststoff nach. Demnach sollen in Zukunft Einweg- produkte wie Strohhalme, Einwegbesteck, Einwegteller oder Wat- testäbchen verboten sein.


In der Kreislaufwirtschaft liegt die Zukunft.

Grafik: Greiner Holding AG


Kreislaufwirtschaft als Modell der Zukunft

Die Greiner Gruppe begrüßt die Europäische Kunststoffstrategie und bekennt sich zu ihrer unternehmerischen Verantwortung. Das Unternehmen ist jedoch der Ansicht, dass ein Verbot einzelner Produkte allein nicht ausreicht, um die Abfallflut zu stoppen. Die Zukunft – da ist sich Greiner sicher – sieht anders aus und trägt den Namen „Kreislaufwirtschaft“. Diese ist das Gegenteil der Weg- werfgesellschaft und bietet das Potenzial, den Problemen und Her- ausforderungen des Kunststoffverbrauchs Herr zu werden. (Kunst- stoff-)Abfälle sind in einem zirkulären System kein Müll, sondern wertvoller Rohstoff und Ausgangsmaterial für neue Produkte. Die Greiner Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Kreislaufwirt- schaft in all seinen Facetten und verfolgt das Ziel, in diesem Be- reich eine Vorreiterrolle einzunehmen. „Wir wollen die Dinge auf den Kopf stellen und völlig neue Ansätze suchen“, sagt Vorstands- vorsitzender Axel Kühner.

Alle sind gefordert

Die Verwendung von recycelten Kunststoffen in Produkten erfor- dert kreatives Denken von Designern, Entwicklern und der kunst- stoffverarbeitenden Industrie. Einige Kunststoffe können mehr- mals recycelt werden, andere sind aus technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen schwer wiederverwertbar. Damit der Einsatz von recyceltem Granulat keine Ausnahme bleibt, be- darf es regulatorischer und wirtschaftlicher Anreize. Produkte mit Rezyklat-Anteilen sind derzeit im Lebensmittelbereich beispiels- weise durch strenge Regularien de facto nur sehr stark einge- schränkt möglich. Erst wenn alle gesetzlichen Anforderungen, etwa für Lebensmittelkontaktmaterialien, bedacht, die Verbrau- chersicherheit gewährleistet und die grundlegenden Anforderun- gen an die Verpackung geklärt sind, kann mit dem eigentlichen, schon auf Wiederverwertung gerichteten Designprozess der Ver- packung begonnen werden.

Bei Greiner ist man aber auch bereit, über den Tellerrand zu bli- cken: „Wir sind die Letzten die sagen, wir müssen alles dogmatisch aus Kunststoff fertigen. Im Gegenteil. Vielmehr haben wir mit dem K3®-Becher – einer Karton-Kunststoff-Kombination mit geringem Kunststoffanteil und Kartonwickel aus Recyclingmaterial – gezeigt, dass es auch in unserem Interesse ist, weniger Kunststoff zu ver- wenden – wenn es dadurch ein besseres Produkt wird“, sagt Küh- ner.

In der öffentlichen Debatte werden auch immer wieder Biokunst- stoffe als Lösung genannt. Auch hier forscht die Greiner Gruppe mit Hochdruck an zukunftsfähigen Konzepten. Das Beispiel Bio- kunststoffe zeigt aber auch, wie komplex die Problematik ist. Bio- kunststoffe sind nämlich, entgegen der öffentlichen Wahrneh- mung, nicht biologisch abbaubar beziehungsweise nur unter Rah- menbedingungen, die unter normalen Umständen nicht oder nur selten gegeben sind.