Die Greiner Gruppe:

150 Jahre Innovation und Tradition

Foto: Greiner Holding AG / Joachim Haslinger

Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender Greiner Gruppe, und Hannes Moser, Finanzvorstand Greiner Gruppe.

Als Familienunternehmen feiert die Greiner Gruppe 2018 ihr 150-jähriges Bestehen. Was 1868 im deutschen Nürtingen mit der Gründung einer kleinen Gemischtwarenhandlung durch Carl Albert Greiner und seine Frau Emilie begann, ist heute ein weltweit führendes Unternehmen in der Kunststoff- und Schaumstoffindustrie mit mehr als 10.000 Mitarbeitern an 139 Standorten in 33 Ländern.

Wer in Generationen denkt, denkt anders. Und so waren und sind unternehmerischer Mut, eine klare Werteorientierung sowie familiä- rer Zusammenhalt das Fundament des Erfolgs der Greiner Gruppe. Tradition und Innovation sind bei Greiner untrennbar miteinander verbunden. Seit Anbeginn agiert das Unternehmen innovativ und setzt auf führende Technologien, zunächst in der Kork-, später in der Kunststoffverarbeitung. Heute begleiten die Produkte des Weltkon- zerns das tägliche Leben, beispielsweise als Joghurtbecher auf dem Frühstückstisch, als gemütliche Schaumstoffmatratze, in Form von Auto- und Flugzeugsitzen, als Blutentnahmeröhrchen beim Arzt oder im Zuge der Produktion von Kunststoff-Fensterrahmen. Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender der Greiner Gruppe, über Erfolg, Tradition und Besonderheiten eines Familienunternehmens.

Die Greiner Gruppe hat 150 erfolgreiche Jahre im Rücken – das ist etwas Besonderes. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie als Mana- ger, und was ist Ihr Anteil am Erfolg?

Axel Kühner: Ein Unternehmen mit einer 150-jährigen Historie ist immer etwas Besonderes. Und wenn man diesen Erfolg begleiten darf, ist das natürlich für einen selbst auch emotional. Wenn Sie mich nach meinem Anteil am 150-jährigen Unternehmenserfolg fra- gen, dann ist das so, wie wenn Sie einen in der 87. Minute eingewech- selten Fußballspieler nach seinem Anteil am Spielerfolg fragen. Frei- lich hat der Übergang zu einem externen Management auch neue Managementmethoden nach sich gezogen, und das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren ertragreich weitergewachsen. Als ich 2009 bei Greiner eingestiegen bin, hatten wir 7000 Mitarbeiter und eine Milliarde Euro Umsatz. Heute beschäftigen wir weltweit über 10.000 Menschen und erwirtschaften über 1,5 Milliarden Euro. Ent- scheidend für den Erfolg waren und sind aber das gesunde und visio- när aufbereitete Fundament der Gründer und die familiären Werte, die dem Unternehmen bis heute seine Stabilität verleihen.

Wie ist es, nach 140 Jahren als erster externer Vorstand in einem Fa- milienunternehmen einzusteigen?

Axel Kühner: Es war erstmal ein großer Reiz. Die Chance, als erster familienfremder Vorstand in einem Unternehmen dieser Größe ein- zusteigen, bekommt man nur einmal im Leben. Diese Chance wollte ich unbedingt ergreifen und dazu beitragen, ein neues Kapitel für die Greiner Gruppe aufzuschlagen. Der erste externe Vorstand zu sein war klarerweise auch eine große Herausforderung. Für die Eigentü- merfamilie war es ein riesengroßer Schritt, das Unternehmen in fremde Hände zu legen. Denn damit mussten sich die Eigentümer in einer neuen Rolle wiederfinden – in der des Gestalters im Hinter- grund und in keiner operativen mehr. Als Externer muss man sich das Vertrauen, das es in so einer Phase braucht, mit offener Kommu- nikation und Rücksichtnahme erst verdienen.

Was waren die Herausforderungen, mit denen Sie konfrontiert wa- ren?

Axel Kühner: Die Herausforderung war von Beginn an zu moderni- sieren, aber gleichzeitig den Charakter eines Familienunternehmens beizubehalten. Das funktioniert einerseits, indem man moderne Ma- nagementmethoden, beispielsweise in der IT, der Personalentwick- lung oder der Compliance, einführt. Andererseits hören wir genau zu, wo die Probleme liegen, und bestimmen das Tempo. Die Kombi- nation, moderne Managementmethoden zu implementieren, dabei aber flexibel zu sein und die Menschen mitzunehmen, ist der Weg, wie wir bei Greiner beide Welten vereinen.

Wie sind Sie als deutscher Manager im oberösterreichischen Krems- münster empfangen worden?

Axel Kühner: Der Empfang war sehr positiv. Die Menschen in Kremsmünster sind wahnsinnig offenherzig. Dass ich mit meiner Fa- milie zum ersten Mal längere Zeit an einem Standort bin, hat sicher auch viel zur Integration beigetragen. Außerdem sind die kulturellen Unterschiede zwischen Oberbayern und Oberösterreich nicht so groß. Es war ein positiver Wechsel, auch wenn ich viel lernen muss- te. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, Ausländer zu sein. Das ist aber Teil der Herausforderung. Aber wenn man sich in Ober- österreich nicht wohlfühlt, dann kann einem auch keiner mehr hel- fen.

Was unterscheidet ein Familienunternehmen von anderen Betrie- ben?

Axel Kühner: Ein ganz großer Unterschied ist sicherlich, dass in ei- nem Familienunternehmen Werte rund um die Familie noch einen ganz anderen Stellenwert haben. Also beispielsweise auf das Indivi- duum einzugehen und Rücksicht zu nehmen. Die Sichtweise, dass der Geschäftserfolg zwar immer das oberste Ziel ist, schwierige Si- tuationen aber manchmal auch das Setzen anderer Prioritäten er- fordern. Ich glaube das ist der größte Unterschied.

Der kulturelle Fokus ist in Familienunternehmen deutlich stärker als in großen, börsennotierten Unternehmen. Wobei man klar sagen muss, dass natürlich auch ein Familienunternehmen börsennotiert und höchst professionell aufgestellt sein kann. Aber das Umsetzen von Familienwerten im Unternehmen als höchsten Stellenwert – ich glaube, das macht ein Familienunternehmen im Besonderen aus.

Tradition wird in Familienunternehmen oft großgeschrieben. Wie empfinden Sie das?

Axel Kühner: Ich empfinde Tradition als sehr hilfreich. Eine lang- fristige Ausrichtung an familiären Werten ist rückenstärkend. Es ist in einem Familienunternehmen aber auch wichtig, sich die nötige Anerkennung zu verschaffen, und dafür sind drei Punkte ganz we- sentlich: offene Kommunikation, Geduld und Durchsetzungsvermö- gen. Man darf keinem etwas vormachen, sondern muss es anspre- chen, wenn Dinge schlecht laufen. Und man muss für das, was schlecht läuft, selber die Verantwortung übernehmen.

Innovation versus Tradition: Sind beide Themen miteinander verein- bar? Wenn ja, wie?

Axel Kühner: Tradition und Innovation sind bei Greiner untrenn- bar miteinander verbunden. Seit Anbeginn hat das Unternehmen in- novativ agiert und auf führende Technologien gesetzt, zunächst in der Kork-, später in der Kunststoffverarbeitung. Auch heute ist der Wunsch der Familie an mich, neue Dinge auszuprobieren, extrem groß. Die Erwartungshaltung ist klar – wir müssen innovativ sein, wir müssen uns am Markt differenzieren. Das haben die Greiners sehr, sehr gut verstanden und erwarten dementsprechend auch Maßnahmen.

Wie sehen solche Maßnahmen aus?

Axel Kühner: Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Greiner Gruppe hat mit der Greiner Technology & Innovation im Jahr 2010 eine eige- ne Gesellschaft gegründet, die neue Ideen entwickelt, die gesamte Gruppe bei Innovationen unterstützt und Start-up-Betreuung be- treibt. So schaffen wir optimale Rahmenbedingungen für neue Ideen. Denn dafür braucht es Freiraum und ein Umfeld, in dem flexibel und manchmal auch chaotisch agiert werden kann, in dem Dinge hinter- fragt und Sachen probiert werden können, von denen man eigentlich im Vorfeld überzeugt ist, dass sie so nicht funktionieren. Nur so kann Innovation entstehen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wohin muss und wird sich die Greiner Gruppe in den kommenden Jahren entwickeln?

Axel Kühner: Wichtige Themen sind sicherlich die Bereiche Nach- haltigkeit und die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft. Kunststoff ist – trotz aller Kritik – eines der wichtigsten und nützlichsten Mate- rialien unserer Zeit. Beim Recycling drückt jedoch der Schuh. Jähr- lich landen Millionen Tonnen Kunststoffabfälle infolge schlechter Entsorgung oder Achtlosigkeit in der Umwelt. Das ist besorgniserre- gend und nicht zu tolerieren. Wir bei Greiner nehmen dieses Thema sehr ernst und haben Nachhaltigkeit mit der Plastics for Life-Nach- haltigkeitsstrategie fest in unserer Unternehmensstrategie veran- kert. Damit leisten wir freiwillig und gern einen Beitrag zur nachhal- tigen Entwicklung, der weit über die Grenzen der gesetzlichen Forde- rungen hinausgeht. Wir sehen in der Kreislaufwirtschaft die Zukunft und glauben, dass der Einsatz von Recycling-Material und der Aus- bau von Recycling-Kapazitäten enormes Potenzial bieten. In diesen Bereichen wird sich in Zukunft sehr viel bewegen.

Auch die fortschreitende Internationalisierung wird einiges verän- dern: Heute finden 75 Prozent unseres Umsatzes in Europa statt, un- sere Hauptkonzernsprache ist Deutsch. In zehn Jahren werden höchstens 50 Prozent des Umsatzes in Europa erwirtschaftet wer- den, nicht weil wir unsere Tätigkeiten in Europa zurückfahren, son- dern weil wir in den Ländern außerhalb Europas aktiver werden. Außerdem werden wir Englisch als gleichwertige Kommunikations- sprache und dezentrale Standorte mit hoher Eigenständigkeit haben. Freilich werden auch neue Technologien und die Digitalisierung den Arbeitsalltag und die Konzernstrukturen verändern.

GREINER GRUPPE

Branche: Kunststoffverarbeitung und Schaumstoffproduktion

Gründung: 1868 in Nürtingen/Deutschland

Sitz: Kremsmünster/Österreich

Leitung: Dipl.-Betriebsw. (DH) Axel Kühner (CEO), Mag. Hannes Moser (CFO)

Umsatz: 1.579 Mio. Euro (2017)

Mitarbeiter: 10.567 (2017)

Rechtsform: Aktiengesellschaft, 100 Prozent in Familienbesitz

Impressum: Eigentümerin (100 %) / Medieninhaberin und Verwaltungsadresse: Greiner Holding AG, Greinerstraße 70,

4550 Kremsmünster; Hersteller, Herstellungs- und Erscheinungsort: Mediaprint Zeitungsdruckerei Ges.m.b.H. & Co. KG,

1232 Wien, Richard-Strauss-Straße 16; Verantwortlich für den Inhalt: Greiner Holding AG